24.08.2017

Nach 402 Tagen zurück: Hadid hat „nie ans Aufhören gedacht“

AFC-Wirbelwind will wieder angreifen – auch in der Nationalmannschaft

Mustafa Hadid war die Freude und Erleichterung nach seinem ersten Startelf-Einsatz nach langer Verletzungsmisere ins Gesicht geschrieben. Foto: Genat

Mustafa Hadid blickt auf ein absolutes Seuchenjahr zurück. Erst fiel der „Flügelflitzer“ von Altona 93 mit einem Mittelfußbruch lange aus – dann feierte er im Oddset-Pokalfinale 2016 gegen Eintracht Norderstedt sein Comeback, als ihn Trainer Berkan Algan in der 71. Spielminute einwechselte. Doch dann der Schock. In der allerersten Aktion verletzte sich Hadid so schwer, dass er nur sieben Zeigerumdrehungen darauf wieder raus musste. Die Diagnose: Kreuzbandriss! Damit war die komplette Saison 2016/17 für den 28-Jährigen gelaufen.

Der Schock: Nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung im Pokalfinale 2016 musste Mustafa Hadid wieder raus - mit einem Kreuzbandriss. Foto: KBS-Picture.de

Nach genau 402 Tagen war er zurück, zurück auf dem Fußballplatz. Beim Testspiel in Tornesch (2:0) feierte Mustafa Hadid sein Comeback nach über 13 Monaten Pause. Danach ging alles ganz schnell. Gegen den englischen Top-Club West Ham United (3:3) wirkte er ebenso wieder mit, wie eine Woche später, als der 28-Jährige seine Pflichtspiel-Rückkehr beim 4:1-Sieg seines AFC im ODDSET-Pokal beim Bezirksligisten SC Hansa 11 zelebrierte – und das gleich mal mit einem Torerfolg. Im darauffolgenden Ligaspiel gegen den VfB Oldenburg (1:2) wurde er in der 77. Minute eingewechselt, beim 3:2-Auswärtssieg in Rehden fand sich der afghanische Nationalspieler schon in der Startelf wieder. „Natürlich war es nach einer so langen Zeit ohne Fußball schwer. Denn Training ist etwas ganz anderes als ein Spiel. Aber ich habe mich sehr gefreut, dass der Trainer mir das Vertrauen geschenkt hat – und habe versucht, mein Bestes zu geben“, so Hadid, der bei seinem Übungsleiter hoch im Kurs steht. „Mustafa ist ein außergewöhnlich talentierter Spieler, der eine extrem hohe Geschwindigkeit hat. Deshalb mussten wir auch aufpassen, dass er sich lang genug Zeit dafür nimmt, um wieder spielen zu können“, lässt uns Algan wissen – und fügt an: „Wir standen die ganze Zeit zu ihm.“

Algan: „Haben mit allen Langzeitverletzten automatisch verlängert“

Es war eine immens lange Zeit, die ins Land ging – gekrönt mit dem Regionalliga-Aufstieg –, in der Hadid seiner Leidenschaft nicht nachgehen konnte und zum Zuschauern verdammt war. Nichtsdestotrotz: „Der Verein hat in der Zeit zu mir gehalten. Ich hatte nicht das Gefühl, dass man nicht mehr mit mir plant“, verrät uns der Nationalspieler Afghanistans. Sein Trainer meint derweil: „Wir haben direkt mit allen Langzeitverletzten automatisch verlängert, weil wir uns gesagt haben, dass wir keinen Spieler fallen lassen – obwohl wir nicht wussten, wann die Spieler zurückkommen, ob sie überhaupt zurückkommen und wie lange sie noch brauchen werden“, so Algan, der anschließt: „Das wäre nicht Altona 93-like.“

Gespräch mit Pfister: Hadid bei Asien-Quali wohl dabei

Jetzt will Hadid (li.) sowohl beim AFC als auch in der Nationalmannschaft wieder durchstarten. Foto: Genat

Dass sich der Heilungsverlauf bei Hadid „leider in die Länge gezogen hat“, wie er selbst sagt, lag daran, dass sich nach der ersten Operation „ein Fettgewebe im Knie gebildet hat, das rausoperiert werden musste“. Auch wenn eine zweite OP notwendig war, habe er „nie ans Aufhören gedacht“, wie er uns erklärt. „Ich wollte wieder fit werden und angreifen.“ Ersteres ist ihm nach einer gefühlten Ewigkeit gelungen. Nun gilt es, auch „Part two“ dauerhaft umsetzen zu können. „Ich möchte der Mannschaft mit meiner Erfahrung so gut es geht helfen. In erster Linie geht es uns allen darum, die Klasse zu halten.“

Und dann wäre da ja noch ein ganz anderes Fernziel. Denn: Der in der B-Jugend beim HSV an der Seite von Spielern wie Sidney Sam oder Maxim Choupo-Moting kickende Hadid möchte auch für sein Land wieder eine tragende Rolle einnehmen. Seit 2008 ist er afghanischer Nationalspieler und erzielte gleich in seinem Debüt ein Tor. Seither entwickelte er sich zum Stammspieler und feierte im Jahr 2013 sogar den Gewinn der Südasienmeisterschaft mit Afghanistan – und das als absoluter Leistungsträger. „Ende August wird die Nationalmannschaft wieder berufen.“ Und das vom deutschen Nationaltrainer Otto Pfister, der auf dem afrikanischen Kontinent schon diverse Nationalteams coachte. Dann stehen ein Freundschaftsspiel gegen den Oman (30.8.) und eine Partie in der Asien-Qualifikation gegen Jordanien (5.9.) an. „Ich hoffe auch da auf Einsätze und weiß, dass der Trainer auf mich setzt. Wir hatten auch schon ein Gespräch.“ Aber die Hauptsache ist: „Ich fühle mich fit und gesund.“ Bleibt zu hoffen, dass Mustafa Hadid seine Leidensgeschichte nun endgültig hinter sich gelassen hat.

Autor: Dennis Kormanjos

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