19.03.2017

Kuriose Tore und Kucukovic-Debüt: Hamm nimmt „Glückwünsche“ an!

Sasel lässt Federn und verliert Kratzmann

Danijel Suntic (re.) nimmt die Glückwünsche nach seinem kuriosen Freistoßtreffer entgegen. Foto: DK

Das wochenlange Hickhack hat am Freitag ein Ende gefunden: Der DFB höchstpersönlich kümmerte sich um den „Fall Mustafa Kucukovic“. Der ehemalige Bundesliga-Profi und Neuzugang bei Hamm United erhielt – nachdem ihn der HFV zunächst sperrte – auf Anraten des DFB nun doch die Freigabe für sämtliche Punktspiele des Hansa-Ligisten. Keine zwei Tage später stand Kucukovic auch gleich in der Startelf der „Geächteten“. Ein Tor konnte der Ex-HSVer zwar nicht erzielen, aber HUFC-Co-Trainer Jassi Huremovic war dennoch zufrieden mit dem Debüt seiner neuen „Sturmhoffnung“.

„Man hat gesehen, dass er Qualität hat“, so Huremovic, der gleichzeitig anfügte: „Ich bin mit dem Gesamtauftritt der Mannschaft sehr zufrieden und das hat auch viel mit ‚Mucki‘ zu tun. Denn wir sind im Vergleich zu den letzten Spielen viel besser von hinten nach vorne gekommen – weil du vorne jemanden hast, der die Bälle auch mal festmacht. Er braucht sicherlich noch ein paar Spiele, aber ich bin mir sicher, dass er uns in dieser Saison auf jeden Fall noch weiterhelfen wird.“ Seinen ersten Torschuss in der sechshöchsten deutschen Spielklasse gab der mittlerweile 30-Jährige in der 21. Spielminute ab, als Teamkollege Alessandro Schirosi einen Eckball in die Mitte zirkelte und Sasel-Keeper Maximilian Richter mit seiner Faustabwehr direkt „Mucki“ bediente, der jedoch einige Meter über das Tor zielte. Zwar diente Kucukovic in der Spitze immer wieder als Anspielstation – aber über die gesamten 90 Minuten war er bei der Saseler Defensive gut aufgehoben.

Erst das 1:1 stark vorbereitet, dann elfmeterwürdig gefoult worden und schließlich verletzt ausgewechselt: Lenny Kratzmann. Foto: noveski.com

Stattdessen war es einer der „üblichen Verdächtigen“, der den ersten Punch setzte und den Primus ins Wanken geraten ließ: Danijel Suntic. Als dieser nach dem Schlusspfiff auf Huremovic zumarschierte, dankte ihm der Manager des HUFC. Warum? „Er hat die ganze Woche nicht trainieren können, weil er einen Bluterguss in der Wade hatte. Dafür hat er gut durchgehalten und ein starkes Spiel gemacht.“ In Minute 24 legte sich jener Suntic, der wieder als Dreh- und Angelpunkt fungierte, das Spielgerät zu einem Freistoß an der rechten Außenlinie zurecht. Der Ball wurde lang und länger – auf einmal zückte Schiedsrichter-Assistent Detlef Sydlowski seine Fahne in die Höhe. Tor! Sasel-Keeper Richter soll die Kugel auf der Linie gefangen und mit dieser einen Schritt nach hinten gemacht haben. „Ich kann das aus meiner Sicht schwer beurteilen, ob der drin war. Ich war überrascht, aber wir nehmen das natürlich gerne mit“, gestand Huremovic hinterher. „Der Gegner hat ja nicht einmal ein Tor gefordert“, befand Zankl unterdessen. „Aber vielleicht haben wir das gebraucht. Denn wir sind nicht gut reingekommen, waren etwas zu passiv.“ Ob das auch an der Präsenz eines Kucukovic lag?

"Das Tor war Slapstick hoch acht"

Die Führung der „Hammer“ war zu jenem Zeitpunkt nicht mal unverdient. Doch die letzte Viertelstunde vor der Pause gehörte dem Spitzenreiter. Adomats Distanzstrahl wurde von Graudenz stark aus dem Knick gefischt (30.), ehe erst Reinke per Kopf und dann Neumann-Schirmbeck per Fuß aus zwei Metern die darauffolgende Zankl-Ecke um Zentimeter verpassten (31.). Der Ausgleich lag nun in der Luft – und fiel tatsächlich. Zankl dazu: „Das Tor ist natürlich Slapstick hoch acht. Wir haben vorher dreimal die Hundertprozentige und machen am Ende die Zwanzigprozentige rein.“ Wieder war „BNS“ auf und davon, schlug freistehend aber nochmal einen Haken und traf den Ball dann nicht richtig. Doch Lenny Kratzmann hielt das Runde stark im Spiel, vernaschte zwei, drei Gegenspieler und passte von der linken Grundlinie wieder nach innen, wo der Ball über Neumann-Schirmbeck zu Tolga Celikten kam, der den herauseilenden Graudenz überwand (43.). 1:1!

"Was soll ich meinen Spielern sagen: Lasst euch fallen?"

Obwohl er kaum trainieren konnte, war Danijel Suntic (Mi.) mal wieder ein starker Taktgeber bei den "Geächteten". Archivbild: noveski.com

„Die 20 Minuten vor der Pause waren wir klar besser, dominant und hatten unsere Chancen, das Spiel auch schon vor der Pause zu drehen“, so Zankl, der kurz nach Wiederanpfiff sah, wie Adomats butterweiche Hereingabe bei Daniel Lichy landete, der links im Strafraum den Weg in die Mitte suchte und aus kurzer Distanz Glück hatte, dass Graudenz, der noch am Schuss dran war, den Einschlag nicht mehr verhindern konnte (52.)! Sasel hatte das Spiel gedreht – und wenig später die Chance auf das womöglich vorentscheidende 3:1, als Kratzmann nach einer gefühlt 30-sekündigen Textilprobe von Daniel Weber fairerweise nicht zu Boden sank. Schiedsrichter Dennis Voß, der seine liebe Mühe mit dem Geschehen hatte, gab den „Muss-Elfmeter“, wie Zankl hinterher meinte, nicht, sondern ließ weiterlaufen (55.). „Was soll ich meinen Spielern sagen: dass sie hinfallen sollen? Das ist ja das traurige heutzutage am Fußball. Er zieht und zieht und zieht. Trotzdem bleibt er auf den Beinen, weil er das Tor schießen will und letztlich werden wir dafür auch noch bestraft.“

"Hätte mir das vor dem Spiel einer gesagt, hätte ich sofort unterschrieben"

Diese Bestrafung erfolgte in der 66. Minute, als der nun stärker werdende Christopher Mahrt mit seinem langen Ball den durchstartenden Luis Honig – gerade einmal sechs Minuten im Spiel – fand. Der Winter-Zugang profitierte vom Ausrutscher Steddins und vollendete mit einem trockenen sowie halbhohen Linksschuss ins kurze Eck – 2:2! „Danach wurde es etwas zerfahren und unruhig“, konstatierte Zankl treffend. Seine Schützlinge kamen noch zu drei richtig guten Einschusschancen – wobei auch Hamm stets gefährlich blieb und immer wieder Nadelstiche setzte. Erst zwang Celikten nach einer Zankl-Flanke auf den zweiten Pfosten Graudenz per Volley zu einer Glanztat (69.). Dann behauptete sich Neumann-Schirmbeck – von Nico Behrends in Szene gesetzt – gegen Harrsen, verzog aber um zwei Meter (81.). Und zu guter Letzt hätte Joker Kevin Göde, der kurze Zeit später nach einem „Wirkungstreffer“ benommen zusammensackte, glücklicherweise aber schnell wieder zu sich kam, eine erneute Zankl-Vorarbeit aus drei Metern im HUFC-Gehäuse unterbringen müssen (88.). Das hätte der „Luckypunch“ sein können! Stattdessen kam Hamm noch einmal: Harrsens langer Ball landete bei Mahrt, der Richter aus spitzem Winkel noch einmal prüfte (90. +5). Am Ende blieb es bei einem alles in allem verdienten Remis – über das sich die Gäste verständlicherweise deutlich mehr freuten. „Die Glückwünsche nehme ich an. Wenn mir einer vor dem Spiel gesagt hätte, dass wir hier einen Punkt holen, dann hätte ich sofort unterschrieben. In unserer Situation sind wir über alles, was zählt, glücklich“, bilanzierte Huremovic.

"Alles ist scheißegal - Hauptsache Lenny geht's gut!"

Tolga Celikten (re.) erzielte den Saseler Ausgleich und war mit seinem Zuspiel auf Timo Adomat auch am 2:1 direkt beteiligt. Foto: noveski.com

Sein Gegenüber musste sich hingegen mit der zweiten Punkteteilung in Folge begnügen. „Über die 90 Minuten waren wir das bessere Team – wir sind aber in drei, vier Phasen aus unserem Spiel rausgekommen und haben es in diesen Phasen offen gestaltet. Man kann aber auch nicht erwarten, dass wir über die gesamten 90 Minuten komplette Dominanz und Kontrolle übers Spiel haben. Dafür hat der Gegner auch zu viel individuelle Klasse und die kann man eben nicht ganz aus dem Spiel nehmen. Dafür haben wir es über weite Strecken ordentlich gemacht.“ Viel schlimmer als die zwei Punktverluste wog für Zankl im Anschluss jedoch eine ganz andere Tatsache: Nach einem Foulspiel von Arthur Hoppe musste Lenny Kratzmann nämlich zehn Minuten vor dem Ende raus. „Mir kommen fast die Tränen, wenn ich sehe, wie Lenny in der Kabine hockt und das Knie wieder angeschwollen ist. Er hatte schon zweimal das ganze Knie kaputt. Wir waren froh, dass er endlich wieder fit ist und zum allerersten Mal überhaupt drei Spiele am Stück von Anfang an machen konnte. Alles was heute passiert ist, ist scheißegal. Hauptsache Lenny hat nur eine halbwegs schwere Verletzung.“ Dem schließen wir uns natürlich an! Erfreulich: Gut 45 Minuten nach Spielende konnte Physiotherapeut Wolfgang Grandi bereits leichte Entwarnung geben.

Autor: Dennis Kormanjos

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