18.03.2017

Karch: „Fünf Tore sehen besser aus, als sich mein Gemüt anfühlt“

HSV III-Coach findet trotz 5:1-Erfolg gegen Eidelstedt Kritikpunkte

Des einen Freud ist des anderen Leid: In der Mitte freut sich das HSV III-Trio Emre Yasar, Veli Sjulejmani (Nummer 17) und Jendrik Bauer (re.). Foto: noveski.com

Manchmal lohnt es sich, wenn man Strapazen auf sich nimmt: Exakt 106 Zuschauer trotzen dem freitäglichen Feierabend-Regen und fanden den Weg zum Landesliga Hammonia-Heimspiel des Hamburger SV III gegen den SV Eidelstedt. Sie wurden dafür belohnt: Fünf Volltreffer fabrizierte das Gastgeber bei seinem deutlichen und zu keiner Zeit gefährdeten Erfolg. Dennoch gab HSV III-Trainer Felix Karch nach dem Abpfiff zu Protokoll, dass er „nicht ganz zufrieden“ sei. Der Grund dafür: „Wir können das eine oder andere Tor mehr machen, aber dafür müssen wir cleverer und konzentrierter sein.“

Es war einer dieser Momente, in denen der Ball gerade im Netz eingeschlagen war. Und Veli Sulejmani wusste ganz genau, wohin er in nun in jenem Augenblick wollte. Der Mittelfeldspieler der HSV-„Dritten“ lief die paar Meter, die zwischen ihm und Emre Yasar lagen, breitete die Arme aus und fiel seinem Teamkollegen um den Hals. Das war nach 66 Minuten. Yasar hatte zuvor den Ball von der linken Seite scharf hereingegeben. Als das Spielgerät seine Reise beendete, landete es bei Sulejmani. Der stand rechts im Strafraum und hatte nur noch wenig Mühe, die Kugel aus relativ naher Distanz über die Linie des Eidelstedter Tores zu drücken.

Emre Yasar trifft ein Mal und bereitet drei Tore vor

Und gleich ist er drin: Veli Sulejmani trifft zum 3:0, Eidelstedts Yannik Meer (li.) kann nur zusehen. Foto: noveski.com

Es war einfach, es war effektiv, was Yasar und Sluejmani da soeben vollbracht hatten und was in der Statistik unter dem 3:0-Zwischenstand firmierte. „Bei uns ist zur Zeit alles gut aufeinander abgestimmt“, befand auch HSV III-Übungsleiter Felix Karch nach der Begegnung, als die Rede auf das Duo kam, das die FussiFreunde jüngst aufgrund ihres hervorragenden Zusammenspiels als „Yasarmani“ betitelten. Doch Karchs ersten Worten folgte noch ein Nachsatz: „Es macht Spaß, sich das im Training anzugucken. Aber es ist ärgerlich, dass wir die Aktionen im Spiel nicht konsequent genug nutzen. Ich kann nicht zufrieden sein, weil wir unsere Chancen nicht gut ausgespielt haben. In manchen Situationen waren wir zu eigensinnig, da müssen wir viel cleverer sein“, urteilte der Coach und machte letztlich auch kein Geheimnis daraus, dass die „fünf Tore besser aussehen, als mein Gemüt. Wir hätten das eine oder andere Tor mehr machen müssen.“

Karchs Einschätzung hatte Hand und Fuß. Seine Mannschaft war dem Gegner von der ersten bis zur letzten Minute an überlegen – auch wenn der Zepterschwinger der HSV-Drittvertretung den Gegner lobte, dass dieser „wenn er ins Laufen kommt, auch für Mannschaften aus dem oberen Drittel der Tabelle gefährlich werden kann.“ Aber: Die „Rothosen“ gingen eben doch etwas zu leichtfertig mit ihren Einschussmöglichkeiten um. Nach dem 1:0, das Yasar aus kurzer Distanz erzielte (24.), nachdem ihm Jendrik Bauer in einer unübersichtlichen Szene im SVE-Strafraum den Ball zugespitzelt hatte, vergab zum Beispiel erst der Torschütze, dessen Schuss Eidelstedts Keeper Patrick Meins per Fuß vereitelte und dann im Nachschuss Mladen Tunjic (34.). Auf der anderen Seite scheiterte Fatih Simsek an HSV-„Goalie“ Yannick Heuer, nachdem er sich zuvor im Laufduell Richtung Tor gegen seinen Gegenspieler durchgesetzt hatte. Beim Abschluss aber wurde der Eidelstedter offenbar von einem HSV III-Abwehrbein getroffen – oder: zumindest bedrängt. Die Gäste forderten lautstark – aber nur kurz – einen Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Martin Pfefferkorn (SC Urania). Der blieb aus. Noch vor der Pause trafen dann die Hausherren ein weiteres Mal: Nikola Zeba fungierte diesmal als Vorbereiter für Jendrik Bauer – 2:0 nach 41 Minuten.

Sturmduo Tunjic/Bauer – „Wenn der eine nicht trifft, dann trifft der andere“

Verkehrte Welt: HSV III-Akteur Michael Ulbricht am Boden, Eidelstedts Markus Appiagyei obenauf. Foto: noveski.com

Nach Wiederbeginn folgte die Phase, über die Karch später sagen sollte, dass sie ihm „sehr gut gefallen“ habe: Zwar vergab Sulejmani nach 49 Minuten einen Ball, den Tunjic zuvor festgemacht und seinem Teamkollegen aufgelegt hatte (49.), doch binnen nicht einmal fünf Zeigerumdrehungen stellten die HSV III-Spieler ihre Abschlussfähigkeiten unter Beweis und entschieden das Spiel vorzeitig. Es begann mit Sulejmanis 3:0 (66.), dann folgte das 4:0 durch Zeba, der eine Ecke von Yasar verwertete und schließlich das 5:0, bei dem Yasar für Bauer auflegte, der SVE-Schlussmann Meins umkurvte und mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend seinen Dienst erledigt hatte. Sekunden später, Bauer war gerade mal mit dem Jubeln fertig, holte ihn Karch vom Platz und wechselte Sören Ostermann ein. Damit war der erste gemeinsame Auftritt des Sturmduos Tunjic/Bauer, das aufgrund von Verletzungen bisher nicht zueinander gefunden hatte, beendet.

„Die beiden können noch mehr aus ihren Aktionen machen“, beurteilte Karch den Auftritt, „man sieht aber schon: Sie suchen sich in den Aktionen. Die Gegner wissen, welche Power da auf sie zukommt. Die beiden machen es ihren Gegenspielern nicht so einfach. Jendrik hat zwei Tore gemacht, Mladen hat sich viel bewegt, sich viele Bälle abgeholt. Mit der Leistung der beiden kann man zufrieden sein. Man merkt, welche Präsenz sie haben.“ Und: „Wenn der eine nicht trifft, dann trifft der andere“, fügte Karch mit einem Lächeln hinzu. Doch die Sache mit der Chancenverwertung wollte ihn auch in diesem Augenblick nicht so ganz loslassen: „Ich denke, dass der Sieg in Ordnung ist. Aber über die Höhe kann man sich in beide Richtungen streiten“, so Karch, dessen Elf noch den Eidelstedter Ehrentreffer durch Markus Appiagyei (90.+1) hinnehmen musste. „Wir dürfen nicht zu früh zufrieden sein. Die Qualität für mehr Tore ist da, aber es auch nicht ganz einfach, klaren Kopf zu behalten, wenn man schon 3:0 oder 4:0 führt. Da müssen wir hinkommen: noch konsequenter, noch cleverer sein. Wir hatten zwar 15 bis 20 gute Minuten nach der Pause, in der wir Ball und Gegner haben laufen lassen – aber die Chancen haben wir da leider nicht so genutzt, wie man es könnte.“

Jan Knötzsch 

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