28.05.2017

HOLSTEN-Pokal: Ein Jubel-Nachmittag in rot und weiß

RW Wilhelmsburg II bezwingt Wandsetal II im Finale mit 4:1

Siegerfoto: Die Spieler von RW Wilhelmsburg II nach ihrem Sieg im Finale des HOLSTEN-Pokals. Foto: Knötzsch

Die Zweitvertretung von Rot-Weiss Wilhelmsburg ist HOLSTEN-Pokalsieger 2017. Im Finale des Wettbewerbs setzte sich die Mannschaft aus dem Süden Hamburgs vor rund 400 Zuschauern auf dem Kunstrasenplatz an der Dieselstraße am Ende mit 4:1 gegen den TSV Wandsetal II durch. Während TSV-Coach Adebayo Tchalla sich darüber ärgerte, dass „man bestraft wird, wenn man seine Chancen nicht nutzt“ und befand, dass „das 0:3 zu früh gefallen ist“, verkündete RW II-Coach David Berwecke freudig: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Das ist ein schöner Triumph für unseren Verein.“

Die Spieler von Rot-Weiss Wilhelmsburg II waren vom Spiel gezeichnet. Muhammed Keremitci saß erschöpft auf dem Boden, streckte alle viere von sich. Den Kopf von Aykut Görgüc zierte ein dicker weißer Verband. Und – es sah fast schon martialisch aus – ein weiterer Akteur des Kreisklassisten trug ein Pflaster neben dem Auge. Doch als RW II-Kapitän Kadir Aydin den HOLSTEN-Pokal aus den Händen von Dirk Fischer, dem Präsidenten des Hamburger Fußballverbandes entgegennahm, waren alle Strapazen und Schmerzen vergessen. Aydin reckte die Trophäe gen Himmel, die Arme der Rot-Weiss-Spieler gingen in die Höhe und endlich durfte mit dem Objekt der Begierde in der Hand gejubelt werden.

Samed Kiremitci und Sülyman Solak stellen die Weichen auf Sieg

Da ist das DIing: Kapitän Kadir Aydin präsentiert stolz die Trophäe. Foto: Knötzsch

Gejubelt werden über einen Sieg, der mit 4:1 recht deutlich ausfiel. „Wer gewinnt, der hat zurecht gewonnen“, fasste Adebayo Tchalla die 90 Minuten auf dem Kunstrasen an der Dieselstraße zusammen, während der Widersacher aus dem Süden Hamburgs ein paar Meter weiter fröhlich feierte. Der Coach des TSV-Zweitvertretung war niedergeschlagen. So viel hatte sich seine Mannschaft vorgenommen – und nun stand der Kreisligist mit leeren Händen da. „Wenn man seine Chancen nicht nutzt, dann wird man natürlich irgendwann bestraft“, sagte Tchalla schließlich. „Rot-Weiss war nicht der schwierigste Gegner in diesem Wettbewerb. Das waren Weiß-Blau 63 und auch Concordia II – die beiden Spiele waren heiße Nummern. Wilhelmsburg hat eigentlich nur lange Bälle gespielt und auf unsere Fehler gewartet. Wir haben hier im Prinzip selbst die Geschenke gemacht und abgegeben“, analysierte Tchalla das soeben beendete Endspiel.

Er traf damit den berühmten Nagel auf den Kopf, denn: wo der TSV II vor der Pause durch Jan Philipp Schneekluth (15.), Tobias Witt (19.) und Steffen Schwab (22., 28.) Chance um Chance versemmelte, lief es für die Wilhelmsburger besser: Zwar vergab Muhammed Kiremitci (17.) ebenso wie Hüseyin Han Gümüsalam, der den Ball leichtfertig vertändelte (27.), doch die Rot-Weissen schlugen bis zum Seitenwechsel zwei Mal zu. Erst setzte sich Veli Görgüc rechts gegen gleich vier (!) Wandsetaler durch und bediente mit einer scharfen Hereingabe Samed Kiremicti zum 1:0 (36.), dann sah Süleyman Solak, dass TSV-Torwart Steffen Falkenhagen viel zu weit vor seinem Gehäuse stand und hielt aus 35 Metern einfach mal drauf. Der Lohn: Der Ball schlug zum 2:0 für RWW II ein (45.). Und nach dem Seitenwechsel machten die Mannen von Coach David Berwecke genau da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten: Samed Kiremitci wurde in der ersten Minute des zweiten Durchgangs im Zentrum bedient und schoss unten rechts ins Eck zum 3:0 für sein Team ein (46.) – die Vorentscheidung!

Der frühe Treffer zum 3:0 nach der Pause bricht Wandsetal II das Genick

Aus den Händen von HFV-Präsident Dirk Fischer (li.) erhält KAdir Aydin den Umschlag mit 1500 Euro Preisgeld. Foto: Knötzsch

Das sahen auch die beiden Übungsleiter so. „Das 0:3 ist viel zu früh gefallen. Wir hatten uns in der Kabine motiviert und viel vorgenommen. Aber dann passen wir nicht auf und begehen einen Fehler. Nach dem dritten Gegentor war es für uns schwierig, nochmal richtig zurückzukommen“, bilanzierte Adebayo Tchalla, während David Berwecke feststellte: „Nachdem wir mit einem Konter das 1:0 machen und der Schuss aus 30 Metern das 2:0 bedeutet, war es ganz wichtig, das 3:0 so schnell nach der Halbzeit nachzulegen. Danach haben wir das Ganze gut runtergespielt.“ Aber: Rot-Weiss hatte in der Folgezeit auch jede Menge Glück: Die Liste der ausgelassenen Wandsetaler Möglichkeiten wuchs ins Unermessliche. Vor allem Schwab und der eingewechselte Dustin Haury sorgten zwar immer wieder für Gefahr vorm Kasten von Schlussmann Sükrü Ayver – allein: Der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Auf der anderen Seite begünstigte eine Unstimmigkeit zwischen Keeper Falkenhagen und seinen Vorderleuten den vierten Wilhelmsburger Treffer, der nach 63 Minuten auf das Konto von Yuliyan Angelov ging. Wandsetals Reserve gelang nur noch der Ehrentreffer durch Marcel Tran (89.).

Entsprechend wollte auch David Berwecke nicht verhehlen, dass die „Zweite“ des TSV ein Plus an Chancen gegenüber seiner Elf hatte. „Das stimmt“, so der RW II-Coach, „aber man muss auch mal erwähnen, dass bei uns bis auf zwei Spieler alle wegen des Ramadans fasten. Das macht es bei den Temperaturen auch nicht einfacher, was die Kraft angeht. Zu Beginn hatten wir Probleme, ins Spiel zu kommen. Wir wollten die Kugel lange in unseren Reihen halten, sind aber zu hektisch geworden und haben den Ball zu schnell weggeschlagen.“ Nach dem Führungstreffer, so Berwecke weiter, „waren wir spielerisch dann einen Tick besser als Wandsetal. Ich hatte allerdings bei Standardsituationen immer wieder Angst. Da waren wir nicht gut organisiert. Das 4:0 war das i-Tüpfelchen, der Treffer zum 4:1 für Wandsetal ist aber verdient gefallen. Ärgerlich, ich hätte gerne zu Null gespielt.“

Die 1500 Euro Siegprämie, das verriet der Coach, „werden wir nach dem Ende des Ramadan ab dem 30. Juni für eine Teamreise in die Türkei verwenden. Das ist ein schöner Triumph für unseren Verein. Die Freude ist riesengroß.“ Auch, wenn immer wieder kritisiert wurde, dass die Rot-Weissen – nachdem die Liga-Mannschaft im ODDSET-Pokal mangels Spielern in der Ersten Runde gegen Süderelbe nicht antrat – mit Akteuren der „Ersten“ im HOLSTEN-Pokal spielte. „Als das begann, war ich noch kein Trainer. In der neuen Saison werden wir definitiv für den ODDSET-Pokal melden und dort auch antreten. Man kann in Duellen mit höherklassigen Mannschaften eine Menge lernen“, so Berwecke, der sich aus eigenen Stücken beim Feiern zurücknahm: „Das ist ein Erfolg der Mannschaft!“

Jan Knötzsch   

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