19.03.2017

Filmreifes Ende: Vier Minuten zwischen Frust und Freude

Wedels Jan Eggers scheitert per Elfer und trifft in der Nachspielzeit zum 2:1 gegen Süderelbe

Die Spieler des Wedeler TSV freuen sich über den Treffer zum 1:0. Foto: KBS-Picture

Es gibt ein gutes und altes Sprichwort, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte. Im Fußball dürfte es dann wohl eher heißen: Feiere den Erfolg nie vor dem Abpfiff. Nachfragen dazu beantwortet seit heute Mittag – wenn auch sicher eher ungern – die Belegschaft des FC Süderelbe. Die hatte sich beim Auswärtsspiel gegen den Wedeler TSV gerade damit angefreundet, dass sie nach einem 0:1-Rückstand, ihrem Ausgleich und einem verschossenen Foulelfmeter auf Wedeler Seite wohl einen Punkt mit nach Hause nehmen könnten, als ihnen die Nachspielzeit zum Verhängnis wurde... 

Marc HInze (li. am Boden) hat den Ball in dieser Szene gerade zum Führungstor über die Linie gedrückt. Foto: KBS-Picture

Jan Eggers ließ sich auf die Knie fallen, rutschte auf dem glitschigen Rasen gut einen Meter Richtung Eckfahne, breitete die Arme aus und ballte die Fäuste Es dauerte nur Sekunden, dann fiel der erste Mitspieler von hinten der Nummer zehn des Wedeler TSV um den Hals. Dann noch einer und noch einer. Am Ende war Eggers unter einem Knäuel seiner Teamkollegen begraben. Selbst Keeper Stefan Steen war aus deinem eigenen Tor auf die gegenüberliegende Seite des Spielfelds geeilt. Nur wenige Augenblicke vorher, es lief bereits die dritte Minute der Nachspielzeit im Spiel gegen den FC Süderelbe, war ein Diagonalball von rechts in Richtung Zentrum geflogen. Erst sah es so aus, als ob Furkan Pinarlik an die Kugel kommen würde, doch dann landete das Spielgerät bei Eggers. Der hatte einen Gegenspieler neben und Süderelbes Keeper Dennis Lohmann und das gegnerische Tor vor sich. Eggers nahm den Ball an, lief ein paar Meter, visierte dann das von ihm aus gesehen linke untere Eck an. Und traf. Damit stand es 2:1 für Wedel. Wenig später war Schluss.

Hinze bringt Wedel schon nach zwei Minuten in Führung

Voller Körpereinsatz: Marc HInze (vo.) im Zweikampf mit Süderelbes Anton Lasko. Foto: KBS-Picture

Das Tor von Eggers – es war einer dieser Momente, die man so gerne als Geschichte beschreibt, wie sie nur der Fußball zu Tage fördert. Denn eigentlich hatte es bis zu diesem Treffer aus der dritten Minute der „Overtime“ so ausgesehen, als ob der 25-Jährige nicht der Held, sondern die tragische Figur des Spiels werden sollte. Denn nach 89 Minuten hatte sich folgendes Szenario ereignet: Furkan Pinarlik war mit dem Ball am Fuß in den FCS-Strafraum eingedrungen, sah sich dort Francis Gyimah gegenüber und kam dann zu Fall. Schiedsrichter Alexander Teuscher (SC Eilbek) wollte ein Foul gesehen haben und entschied auf Elfmeter. Doch Teuscher täuschte sich: Pinarlik war in Gyimah hineingelaufen. Nicht umgekehrt. Nach dem Pfiff des Referees schnappte sich Eggers den Ball und trat zum Duell gegen Lohmann an. Eggers traf, doch Teuscher gab den Treffer nicht. Pinarlik war während der Ausführung des Strafstoßes zu früh in den Sechzehner gelaufen. Also das gleiche Spiel nochmal: wieder Eggers gegen Lohmann. Diesmal bleibt der Torhüter Sieger und hält. Eggers trottete anschließenden mit hängendem Kopf an der Eckfahne entlang. Jenem Ort, an dem er vier Minuten später dann feiern sollte...

Dass Glück und Pech so eng zusammen liegen und es im Elbestadion überhaupt ein Happyend geben sollte, danach hatte es lange Zeit nicht unbedingt ausgesehen. Die Begegnung hatte wenig Niveau, die Menge der Chancen war überschaubar. Am besten brachte es Süderelbes Zweiter Vorsitzender Joachim Stoltzenburg auf den Punkt, als er zur Pause trocken feststellte: „Das Spiel passt sich dem Wetter an.“ Und das war mit Dauerregen über die kompletten 90 Minuten fast noch schlimmer als die Darbietungen der Akteure auf dem tiefen, zugegeben nicht einfach bespielbaren Rasen. Immerhin: Wedel erwischte den berühmten Auftakt nach Maß, als Lohmann nach zwei Minuten einen eigentlich schon sicher geglaubten Ball doch nicht festhalten konnte und Mark Hinze als Nutznießer dieses Fauxpas das 1:0 für seine Farben erzielte. Viel mehr als einen Freistoß von Eggers, der drüber ging, erspielte sich Wedel anschließend nicht. Doch auch der Gast blieb minimalistisch: Erst zielte Samuel Louca in der Anfangsphase vorbei, dann hatte Wedel kurz vor der Pause das Glück, dass sich Christopher Eibl kurz vor der Torlinie in einen Schuss von Louca warf und klärte.

„Ampelkarte“ für Eric Agyemang, Klaas Kohpeiß gleicht aus

Da willst du nicht mehr hinsehen: FCS-Coach Markus Walek und sein Team kassierten in der Nachspielzeit das 1:2. Foto: KBS-Picture

Der zweite Durchgang begann mit einem Highlight. Es war noch nicht einmal eine komplette Minute gespielt, als Eric Agyemang den Pfosten des Süderelbe-Tores traf. Apropos Agyemang: Der Stürmer sollte auch in der zweiten nennenswerten Szene der zweiten Halbzeit zum Hauptdarsteller werden. Die ereignete sich in der 63. Minute: Agyemang ging in einen Zweikampf – wohlgemerkt im gegnerischen (!) Sechzehner – und brachte seinen Gegenspieler zu Fall. Das Pech des Stürmers: Er hatte vor dem Pausentee schon Gelb gesehen. Schiri Teuscher blieb also nichts anderes übrig, als Ayemang die „Ampelkarte“ zu zeigen. Wenn es denn wirklich ein Foul war. Für Agyemag selbst, so verriet er auf dem Weg vom Platz in die Kabine, war es ein Ausrutschen. Viel aber brachte Süderelbe anschließend auch mit einem Mann mehr auf dem Rasen nicht zustande.

Und so dauerte es bis zur 81. Minute, ehe der Ausgleich fiel. Und der resultierte auch noch aus einer Standardsituation: Einen Eckball von Louca nutzte Klass Kohpeiß zentral vorm Tor, um ihn zum 1:1 über die Linie zu bugsieren. Spätestens in diesem Moment oder nach dem verschossenen Eggers-Strafstoß dürfte sich auch die Stimmung bei Joachim Stoltzenburg etwas erhellt haben. Schließlich schien dem FC Süderelbe ein Zähler sicher. Da wusste Stoltzenburg aber auch noch nicht, dass in der dritten Minute der Nachspielzeit aus dem Unglücksraben Eggers der späte Held werden sollte. Klingt fast wie ein Film-Stoff, doch zu sehen sein wird der Wedeler TSV heute Abend im NDR-Sportclub (ab 22.50 Uhr) aus einem anderen Grund. Unter der Woche weilte ein Team des Senders für einen Beitrag zum Thema „Was bringen Trainerwechsel?“ beim Training. Im Fokus dabei: Daniel Domingo und Jörn Großkopf, die Teil des großen „Trainer-Dominos“ waren, dass im Sommer beim FC Schalke 04 begann und in Wedel endete.

Jan Knötzsch 

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