17.06.2017

FC Liverpool (Foundation) zu Gast bei GW Harburg

Kunstrasen-Eröffnung mit englischen Gästen

Die Liga-Mannschaft von Grün-Weiss Harburg in freundschaftlicher Verbundenheit mit den FC Liverpool Veterans. Foto: Ema Mae Damisch

Für einige Bundesliga-Clubs ist es mittlerweile so üblich, dass die Saisoneröffnung mit einer Partie gegen eine internationale Spitzenmannschaft beginnt. Doch was ein FC Bayern München oder Hamburger SV kann, bekommt auch der SV Grün-Weiss Harburg hin. Denn für die Eröffnung seines neuen Kunstrasenplatzes gelang es dem Verein, ein Team des großen FC Liverpool einfliegen zu lassen, das aus Veteranen besteht und einer Stifung des LFC angehört. Vier Jahre dauerte die Prozedur, bis die neu gestaltete Anlage nun fertig und an GWH übergeben wurde. Allerdings ließ sich das die Fußballabteilung des Spartenclubs auch ordentlich etwas kosten, was mit einem Fußballfest ordentlich gefeiert wurde.

Bis zuletzt teilte sich der traditionsreiche Spartenverein SV Grün-Weiss Harburg v. 1920 e. V. einen Grandplatz mit dem FSV Harburg-Rönneburg. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn nach vier Jahren geleisteter Überzeugungsarbeit gegenüber der Stadt Hamburg, beziehungsweise dem Bezirk Harburg, erreichte der Zweite Vorsitzende des Gesamtvereins, Thorsten Damisch, dass die Fußballabteilung künftig auf einem eigenen Kunstrasenplatz am Marienkäferweg kicken kann. „Das ist jetzt unsere Wohnzimmer“, beschrieb Damisch die neue Anlage, für die der engagierte Fußballliebhaber ebenfalls verantwortlich ist. Auch für die Eröffnungsfeier des Feldes bewies Damisch großes Organisationstalent und stellte dafür ein Freundschaftsspiel auf die Beine, für das er ein Team des großen FC Liverpool einlud, welches aus englischen Militär-Veteranen besteht. Seit zwei Jahren kämpfte er darum, diese Partie stattfinden zu lassen, was nun zum besagten Anlass endlich klappte, wofür er Anfang des Jahres extra nach England flog, um dort mit der Foundation (übersetzt: Stiftung, Anm. d. Red.) alles fix zu machen, da es extra genehmigt werden musste, dass diese Mannschaft auch im Namen des LFC auflaufen darf. Darunter befanden sich jedoch keine namenhaften Stars, sondern Spieler, die dem englischen Militär dienten und denen es ermöglicht wird, mit Hilfe dieser Stiftung der „Reds“ von der Anfield Road bei dem Club kicken zu können, ohne, dass dafür etwas bezahlent werden muss.

Der Eigentanteil für den Platz liegt bei 75.000 Euro

Auf dem neuen Platz am Marienkäferweg wird es bestimmt vielen Teams Spaß machen, dort anzutreten. Foto: Mathias Merk

Sichtlich stolz präsentierte Damisch die neue Anlage, die eine Bauzeit von insgesamt neun Monaten hinter sich hat. „Die Erleichterung, dass der Platz nun endlich fertig und unser Eigen ist, ist riesig! Die Vorfreude darauf war enorm, aber jetzt bin ich mittlerweile echt froh, dass alles vorbei ist.“ Damit meinte der Initiator all die organisatorischen Dinge, die über Jahre hinweg erledigt werden mussten, dass dieser Kunstrasenplatz nun fertiggestellt werden konnte. Doch solch ein Projekt kostet natürlich auch jede Menge Geld, weshalb sich die Fußballabteilung vom Gesamtverein für den zu zahlenden Eigentanteil, um die Genehmigung von der Stadt zu erhalten, ein zinsloses Darlehen in Höhe von 75.000 Euro auszahlen ließ, was bereits seit zwei Jahren Stück für Stück über einen neu eingeführten Spartenbeitrag zurückgezahlt wird. Grund und Boden gehört jedoch weiterhin dem Bezirk Harburg. Allerdings wurde Ende 2014 eine Einigung erzielt, dass der gesamte Trainings- und Spielbetrieb vom SV Grün-Weiss Harburg selbst geregelt werden kann, was bedeutet, in der glücklichen Lage zu sein, auf keine vorgegebenen Zeiten achten zu müssen (außer natürlich der normalen Lärmschutzverordnung aufgrund der Nachbarschaft), da es keinen städtischen Platzwart gibt.

Nun wurde also der großen Eröffnung entgegengefiebert, die, auch aufgrund der englischen Gäste, zu einer absolut runden Sache wurde. Dass dies so funktionierte, verdankte das Vorstandsmitglied von GWH seiner Vergangenheit. Denn seit 1981 pflegt Damisch, er lebte selbst eine Zeit lang in Liverpool und lernte die Anfield Road-Kicker lieben, eine Beziehung zu seinem besten Freund, der seinen Lebensmittelpunkt weiter auf der Insel hat und mittlerweile auch für den Club spielt. „Als unsere Liga-Mannschaft davon erfuhr, dass wir gegen ein Team des LFC spielen, zeigten sie uns erstmal den Vogel. Aber als sie merkten, dass wir es ernst meinten, freuten auch sie sich riesig auf dieses Match“, erzählt Damisch. Anschließend soll es jedoch etwas schwierig gewesen sein, den Jungs klarzumachen, dass kein einziger Profispieler nach Deutschland geflogen kommt. Trotzdem bereitete es der Truppe jede Menge Spaß gegen dieses besondere Team ein Spiel zu bestreiten, das sie mit 2:0 für sich entschieden.

Damisch: „Wir wollen weiter eine familiäre Atmosphäre aufbauen."

Der Kunstrasenplatz des SV Grün-Weiss Harburg erstrahlt in neuem Glanz. Foto: Mathias Merk

Im Liga-Alltag finden sich die Schützlinge von Trainer Timucin Gürsan jedoch in der Kreisliga wieder, wo sie seit zwei Jahren sportlich beheimatet sind und jedes Mal nur knapp dem Abstieg von der Schippe sprangen. Dabei lief die Erste Herren von GWH seit 1987 hauptsächlich in der Bezirksliga auf, wobei zwischendrin sogar ein Verbands- und vier Landesliga-Jahre gespielt wurden. Da ist es nur verständlich, wenn der normale Beobachter sich nun denkt, dass diese höheren Klassen mit der neuen Kunstrasenanlage sicherlich wieder angepeilt werden. Allerdings bleibt dabei zu erwähnen, dass die Spieler kein Geld dafür bekommen, um zu kicken. Damisch: „Es soll immer noch ein Hobby bleiben, aber es ist auch klar, dass man ohne Geld nicht in die Bezirksliga kommt. Über die Landesliga will ich gar nicht nachdenken, auch wenn ein Verein dieser Größe dort eigentlich hingehört. Doch eine Teilnahme in der Bezirksliga wäre für mich persönlich schon ein Wunsch. Aber langfristig können wir nicht planen oder denken. Wir müssen erstmal von Saison zu Saison schauen und versuchen, uns zunächst in der Kreisliga zu stabilisieren. Das ist das Wichtigste. Wenn wir das mal geschafft haben, dann können wir auch über weitere Schritte nachdenken.“

Zumindest ist der erste Abschnitt dieses Weges nun mit dem Kunstrasen geebnet, was sich natürlich rumspricht. „Ja klar sehen die Leute, dass sich bei uns langsam etwas tut und zum Postiven ändert. Deshalb können wir auch schon den ersten Neuzugang vermelden.“ Dabei soll es sich um Masud Amini handeln, der in seiner Vergangenheit für den TSV Neuland auflief und zuletzt seine Buffer für den Bezirksliga-Aufsteiger FC Musa 97 schnürrte. „Für Masud ist es wichtig, dass er hier viele Mitspieler kennt und seine Leidenschaft mit Freunden teilen kann. Und genau das ist es, was wir weiter aufbauen werden: Eine familiäre Atmosphäre. Wir wollen keine Spieler dafür bezahlen, denn das kann auch durchaus Leistungsdruck erzeugen, wenn einer dafür Geld bekommt. Bei uns spielen alle, weil sie den Sport lieben. Wir müssen Kumpels im Team sein, um weiter wachsen zu können.“ Die eingeschlagene Richtung scheint dafür jedenfalls schonmal die Richtige zu sein.

Autor: Mathias Merk

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