12.03.2017

Der nächste Patzer: Auch Condor knackt Cordi

„Rauvögel“ entführen bei 2:1-Erfolg die volle Beute

Der Anfang vom Ende für Cordi: Ronny Buchholz (Mitte) trifft ins eigene Tor. Foto: Damm

Was ist nur mit Concordia los? Der einstige Spitzenreiter der Oberliga läuft aktuell seiner Form, zumindest aber den Resultaten hinterher. Im fünften Spiel nach der Winterpause kassierte die Mannschaft von Trainer „Aki“ Cholevas ihre nunmehr vierte Niederlage. Auf dem heimischen Kunstrasen am Bekkamp musste sich das Team dem SC Condor mit 1:2 geschlagen geben. „Wir gehen in den letzten Wochen mit unseren Chancen einfach zu leichtfertig um“, ärgerte sich Cholevas nach dem Abpfiff, während SCC-Coach Christian Woike die Reaktion seiner Mannschaft auf die „letzten drei Spiele, in denen es für uns nicht so lief, wie wir uns das vorgestellt haben“, lobte und bekannte: „Wir haben uns reingegeilt!“ 

Es lief die 67. Spielminute und Carsten Richter wollte die Hoffnung einfach nicht aufgeben. Als „Aki“ Cholevas seinen Co-Trainer in jenem Moment fragte, wie lange noch zu spielen war, antwortete Richter seinem Chef wahrheitsgemäß: „Noch 23 Minuten.“ Doch dann schob er einen weiteren Nachsatz hinterher: „Das reicht noch, um drei Tore zu machen.“ Zu diesem Zeitpunkt lag Concordia gegen die Gäste bereits mit 0:2 im Hintertreffen. Die Hoffnung Richters – sie sollte letztlich ein Wunschtraum bleiben. Denn am Ende reichte es für die Hausherren am Bekkamp vor 180 Zuschauern nur noch zum 1:2-Anschlusstreffer. Der fiel in der vierten Minute der Nachspielzeit, als Bazier Sharifi ein Zuspiel von Benjamin Bambur nutzte. „Das war viel zu spät. Wir hätten den Anschlusstreffer kurz nach der Pause machen müssen, dann wäre noch etwas gegangen. Condor war in der zweiten Hälfte platt“, ärgerte sich Cordi-Kapitän Ronny Buchholz nach dem Schlusspfiff.

Cholevas: „Wir müssen das Problem lösen, sonst machen wir die Liga uninteressant und tun uns weh“

Duell in der Luft: Condors Ibrahim Özalp (li.) und Ronny Buchholz steigen zum Kopfball hoch. Foto: Damm

Es war übrigens nicht das Einzige, das Buchholz an diesem Sonntagnachmittag missfallen haben dürfte. Denn Cordis Defensivmann war auch der Hauptdarsteller der ersten Szene des Spiels – und die hatte für ihn ein wenig erfreuliches Ende: Condor griff über die rechte Außenbahn an, Mike Theis flankte den Ball flach nach innen. Buchholz grätschte rein und der Ball landete im eigenen Tor (4.). „Wir hatten uns viel vorgenommen und in der zurückliegenden Woche zusammengesetzt, um zu analysieren, warum wir so schlecht gestartet sind. Dann geht’s los, Condor kommt mit zwei Mann gegen fünf unserer Spieler durch“, resümierte der Kapitän der Hausherren den Start ins Spiel. Und selbiges wurde für den bisherigen Tabellenzweiten in der Folgezeit nicht besser. „Wir haben nicht unbedingt den besten Fußball in der ersten Halbzeit geboten“, stimmte auch Coach Cholevas zu, „uns ist es nicht gelungen, Benny Bambur vorne drin zu unterstützen. Wir haben zu selten den direkten Weg zum Tor gefunden.“

Was Cordi verwehrt blieb, gelang dafür dem SC Condor kurz vor dem Seitenwechsel: Cassian Klammer legte den Ball am Strafraum aus dem Zentrum nach links auf Ibrahim Özalp, der mit dem Spielgerät am Fuß in den Sechzehner startete und schließlich Briant Alberti überwand. Der Ball landete zum 2:0 für die „Raubvögel“ im langen Eck. Zuvor hatte Jannick Martens nach einer Hereingabe von Kevin Mellmann freistehend per Kopf nach 23 Minuten noch verpasst. „Außer den beiden Toren und dem Kopfball hatte Condor keine Szenen vor dem Tor“, befand „Cordi-Captain“ Buchholz später, „wir selbst haben nach vorne zu viel über die linke Seite gespielt, fand ich. Kevin Zschimmer und ich hatten links jede Menge Freiräume. Sonst haben wir eigentlich nicht schlecht gespielt.“ Trotzdem musste eine Änderung her – und die gab es nach der Pause dann auch. „Wir haben uns in der Kabine gesagt, dass wir genügend Zeit und Qualität haben, das noch zu drehen. Es war ja danach dann auch ein Spiel auf ein Tor“, konstatierte Buchholz.

Woike: „Ich bin froh und glücklich dass wir eine Reaktion auf die letzten drei Spiele gezeigt haben“

Beim Treffer von Concordias Kevin Zschimmer (Nummer elf) entschied das Schiedsrichter-Gespann auf Abseits. Foto: Damm

Damit hatte der Abwehrmann den weiteren Verlauf der Partie trefflich zusammengefasst. Doch auch er erkannte: „Das Tor war irgendwie wie vernagelt für uns.“ Richtig. Denn: wieder und wieder rannte Cordi zwar an, wieder und wieder aber war beim Abschluss ein Abwehrbein oder Condors Keeper Sascha Kleinschmidt im Weg. Bis eben zur 94. Minute. Aber da war es schon zu spät. „Bei uns ist total der Wurm drin“, machte Ronny Buchholz keinen Hehl daraus, dass nach dem Abpfiff von Schiedsrichters Michael Ehrenfort (TuRa Harksheide) auf Seiten der Concorden eine gehörige Portion Frust die Gefühlslage bestimmte. „Wir haben – wie in den letzten Wochen auch – zu viele Chancen leichtfertig liegengelassen. Dieses Problem müssen wir so schnell wie möglich lösen, sonst machen wir die Liga uninteressant und tun uns selbst weiter weh“, erklärte „Aki“ Cholevas auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, und fügte hinzu: „Die beiden Gegentore resultieren aus leichtfertigen Treffern. Ich bin der Ansicht, dass Kevin Zschimmer bei seinem Treffer nach 57 Minuten nicht im Abseits stand und wir nach einem Foul an Sharifi einen Elfmeter hätten bekommen müssen.“

Weitaus positiver fiel derweil natürlich das Fazit von Cholevas' Gegenüber aus. „Wir haben eine sehr gute erste Hälfte gespielt, in der wir hervorragend zwischen Pressing und Tiefstehen variiert haben. Nach vorne haben wir fußballerisch gute Lösungen gezeigt und hinten wenig zugelassen. In der zweiten Hälfte hatte Cordi deutlich mehr Schwung und wir konnten den Gegner nicht mehr so weit vom Tor weghalten“, befand Condors Übungsleiter Christian Woike, „wir hätten vielleicht unsere Konterchancen besser und anders ausspielen können. Aber insgesamt habe ich eine leidenschaftlich kämpfende Condor-Mannschaft gesehen und bin sehr froh und glücklich, dass wir nach den letzten drei Spielen, die nicht so waren, wie wir das wollten, eine Reaktion gezeigt haben. Wo kann man das besser als beim Ex-Tabellenführer und bisherigen Zweiten? Es ist uns gut gelungen, uns ins Spiel reinzugeilen.“

Seidel: „Wir werden erst dann etwas verkünden, wenn es sicher und die Tinte trocken ist“

Die Fragen, die sich den Hausherren nach dem Spiel stellten, waren fraglos weniger geil. Hat sich die derzeitige Situation mit den ungeklärten Thematiken, ob Cordi für die Regionalliga meldet und Cholevas eine weitere Saison Trainer bleibt, etwa (zu sehr) in den Köpfen der Spieler festgesetzt? „Darüber unterhält man sich im Training mal, aber im Spiel denkst du da nicht dran“, schilderte Ronny Buchholz seine Sicht der Dinge, „ich glaube, dass Altona auch noch Punkte lassen wird. Und bei uns wird der Knoten platzen, wenn wir mal wieder gewinnen.“ Sein Coach „Aki“ Cholevas vertrat derweil die Ansicht, dass „wir Spieler haben, die intelligent genug sind, mit dem Druck und der Situation umzugehen“ und kündigte an, dass er sich „sehr bald“ zu seiner Zukunft äußern werde. Und Cordi-Präsident Matthias Seidel wischte das Ganze sogar komplett vom Tisch: „Die Spieler sind über den Stand der Dinge informiert. Ich denke nicht, dass auch nur ein einziger diese Sachen als Alibi anführen wird.“ Offiziell übrigens werde der Verein sich „weiterhin nicht äußern. Wir werden erst dann etwas verkünden, wenn es sicher und die Tinte trocken ist.“

Jan Knötzsch 

Kommentieren