16.06.2017

Cordi II: Ohne Keeper mit bestem Torverhältnis zum Titel

Stolze 28 Siege in 28 Spielen

Concordias Zweitvertretung holte sich nicht nur den Meistertitel in der Kreisklasse B2, sondern leistete auch noch Überragendes. Foto: Cordi II

Mit Ablauf der Saison 2016/17 holten sich in Hamburg ganze 30 Teams in ihren jeweiligen Ligen den Meistertitel. Bei manchen Mannschaften  blieb es bis zum letzten Spiel spannend und ein paar andere Vereine setzten sich bereits vorzeitig die Krone auf. So wie die Zweite Herren von Concordia, die in diesem Jahr etwas schafften, was auf solch eine Art keinem anderen Team gelang. Damit ist nicht nur gemeint, dass alle Punktspiel gewonnen wurden, sondern auch das Wahnsinns-Torverhältnis, das sich echt sehen lassen kann. Und das obwohl über sechs Monate noch nicht mal ein Torwart im Kader stand. Coach Reiner Pump: „Sowas habe ich noch nicht erlebt.“

Trainer Reiner Pump (links) und sein Kollege Kay Papenfuß stellten ein neues Team auf die Beine, das ungeschlagen durch die Liga rauschte. Foto: Cordi II

Vergangenen Sommer formierten Pump und sein Trainerkollege Kay Papenfuß eine komplett neue Mannschaft, was durch eigene Kontakte und jede Menge Mundpropaganda hervorragend funktionierte, um mit einer neuen Zweitvertretung von Concordia in der Kreisklasse B2 an den Start zu gehen. Dieses Projekt lief nicht nur gut an, sondern das Team wurde gleich in der ersten Saison auch noch Staffelmeister. Die Pump-Schützlinge, die eine gute Mischung aus ehemals höherklassigen Kickern und Akteuren aus der Kreisliga sind, gewannen alle ihre 28 Punktspiele und schlossen das Jahr mit einem beachtlichen Torverhältnis von 208:13 ab, was im Durchnitt über sieben Treffer pro Partie bedeutet. „Die Jungs haben sich prima zusammengefunden, auch wenn einige von ihnen erstmal in die morderne Spielphilosophie von Kay und mir reinfinden mussten. Es fing schon mit einer Vorbereitung an, die so Mancher in der Kreisliga noch nicht kannte. Wir trainierten vier Mal pro Woche und absolvierten an den Wochenenden zusätzlich Freundschaftsspiele. Aber die Jungs waren immer wissbegierig und alle haben durchgehend mitgezogen. Sie hatten einfach Bock, Tore zu schießen“, berichtet Pump, dessen Ausführung durch das Torverhältnis unterstrichen wird.

Über sechs Monate lang ohne Torwart

Selbstverständlich gab es auch die obligatorischen Meistershirts, in denen sich die Spieler präsentierten. Foto: Cordi II

Dabei sind jedoch nicht nur die geschossenen Buden, sondern auch die wenigen Gegentreffer zu beachten. Denn, „und das muss man lobend hervorheben“, so Pump: Seit November 2016 lief die Truppe ohne einen Torwart auf, was jedoch durch die mannschaftliche Geschlossenheit komplett aufgefangen wurde. Woche für Woche stellte sich deshalb immer ein Feldspieler in den Kasten, wie der Trainer erzählt: „Dabei spielte Derjenige im Tor, der sich dafür freiwillig meldete – wie zum Beispiel Pascal Weiß, Tom Wietzke oder Yasin Akin.“ Letztgenannter stand sogar im HOLSTEN-Pokal-Halbfinale gegen BU II zwischen den Pfosten und zog sich dabei zu Beginn der Schlussviertelstunde einen dreifachen Rippenbruch zu, spielte aber trotz dieser Verletzung noch bis zum Ende durch. „Sowas wie mit dieser Mannschaft habe ich noch nicht erlebt. Über sechs Monate hatten wir keinen Torwart und dennoch haben wir solch eine Bilanz hinbekommen. Das hat die Truppe echt gut gemacht“, sagt der Übungsleiter stolz.

Was diese Personalsorgen angehen, konnte man jedoch bereits Abhilfe schaffen und neben Abwehrspieler Dominik Metzger (USC Paloma) auch zwei Keeper für die kommende Saison an sich binden. Dabei handelt es sich zum einen um Monsef Dahmani (SV Blankenese II) und zum anderen um Henry Kern (Eimsbütteler TV II). Da beide Schlussmänner bereits eine Vergangenheit bei Cordi besitzen, ist der Wechsel für sie eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Im Übrigen haben Pump und Papenfuß lediglich drei Abgänge zu verkraften: Marvin Ganschow, Alexander Marx und Tom Wietzke kehren zu ihrem alten Verein, dem Barsbütteler SV, zurück. Alle anderen werden wohl auch in der kommenden Saison weiter für die Bekkampler auflaufen.

Pump: „Ich finde es richtig geil, dass die Jungs ihre Zeit für unser Projekt investieren"

Zum Duschen war offensichtlich keine Zeit. Da ging das Feiern vor. Foto: Cordi II

„Die Jungs sind super jung und könnten alle viel höher spielen. Ich finde es richtig geil, dass sie dennoch lieber ihre kostbare Zeit dafür investieren, um gemeinsam das zu erreichen, was wir mit unserem Projekt vorhaben. Da bin ich echt stolz drauf“ so Pump, der aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskommt: „Sie spielen einen guten Ball und haben die Philosophie und das System mittlerweile echt verinnerlicht. Auch der Sportsgeist stimmt. Die Jungs sind mit vollem Eifer dabei und haben richtig Bock auf den Sport. Das sieht man daran, dass sie als eine Kreisklassen-Mannschaft regelmäßig mit 23 Mann beim Training auftauchen und wenn sonntags mal kein Spiel ist und stattdessen Training angesetzt wird, sind sie auch da.“ Diese Bereitschaft führte zum Titelgewinn und dem Aufstieg in die Kreisklasse 2, wo Cordis Reserve, geht es nach der Vorgabe es Trainers, ihren Erfolg sinngemäß wiederholen will. Dabei wird es schwierig sein, nochmal wirklich jedes Spiel zu gewinnen und so ein außergewöhnliches Torverhältnis hinzubekommen, doch ist dabei lediglich wichtig, einen erneuten Aufstieg in die Kreisliga zu schaffen, „damit wir unserem langfristigen Ziel, nämlich die Teilnahme an der Bezirksliga, wieder ein Stück näher kommen“, so Pump, „mit der momentanen Mannschaft kann nur der Aufstieg das Ziel sein.“

Pump: „Was wir erreicht haben, war schon etwas ganz Besonderes"

Getrunken wurde ordentlich und auch beim gemeinsamen Essen kam keiner zu kurz – eigentlich... Foto: Cordi II

Sollte der Truppe genau das nächsten Sommer erneut gelingen, dann dürfte sie bestimmt auch ihre diesjährigen Festlichkeiten wiederholen, die mehrfach ausgiebig zelebriert wurden. Zuerst feierte die Mannschaft bereits am 9. April nach dem Heimspiel gegen den SV Tonndorf-Lohe, als nach einem 7:0-Sieg der Titel fix gemacht wurde. „Die Jungs sind nach dem Abpfiff dann im positiven Sinne völlig abgetickt. Natürlich gab es die obligatorischen Bierduschen und im Anschluss wurde der Triumph noch so richtig heiß gefeiert“, erinnert sich Trainer Pump, der an diesem Tag selbst bis auf die Haut durchnässt war. Dabei weiteten sich die Feierlichkeiten über die komplette Anlage am Bekkamp aus. Vor und in den Kabinen, auf den Plätzen und in den Räumlichkeiten ließen die Jungs ihrer Freude freien Lauf. Dafür bekam die Wirtin, die seit 25 Jahren Vereinsmitglied ist und seit einer Ewigkeit die Zapfanlage poliert, von Trainer Pump besonders warme Worte: „Hanne ist so eine liebenswerte Dame, die uns unglaublich viel unterstützt. Sie versucht immer, für uns alles möglich zu machen, was echt der Wahnsinn ist.“

Zum Saisonende gab es dann noch eine geplante Sause, die der ersten Party absolut ähnelte. Der Unterschied: Zu dieser Fete war dann auch der Gesamtverein anwesend, um den Jungs zu ihrem erstaunlichen Erfolg zu gratulieren. „Was wir da erreicht haben, war schon echt außerordentlich und was ganz Besonderes. Zwar gelingt das auch mal anderen Teams, was mich für diese Mannschaften natürlich freut, aber was wir jetzt geschafft haben – gerade auch mit dem Torverhältnis –, ist schon echt etwas Außergewöhnliches“, befindet Coach Pump. Für den Triumph wurde das Team selbstverständlich fürstlich belohnt, indem ein Sponsor seinem Versprechen nachkam und aufgrund des gelungenen Aufstiegs eine gewisse Summe zahlte, wodurch es den Spielern möglich war, eine fünftägige Reise nach Mallorca zu unternehmen. Pump: „Sie selbst brauchten nur noch einen kleinen Betrag zuzahlen und der Rest wurde übernommen, was sie sich aber auch redlich verdient haben. So konnten die Jungs am Ballermann nochmal alles gegeben, was sie schließlich auch getan haben. Und genau das finde ich gut, weil sowas noch mehr zusammenschweißt.“

Autor: Mathias Merk

Kommentieren