19.04.2017

Auf der letzten Naht über die Ziellinie – Dassendorfs „totaler Wahnsinn“!

TuS erklimmt nach Topspiel-Sieg die Spitze - Ärger und Unverständnis über Ansetzung

Freundschaftliche Atmosphäre auf dem Platz - und ein hochverdienter Sieger am Ende: Die TuS Dassendorf ist wieder Oberliga-Spitze.

Als der Schlusspfiff des Unparteiischen Fabian Porsch (Barsbütteler SV) ertönte, musste nicht nur Rinik Carolus erst einmal kräftig durchpusten. Sämtliche Spieler der TuS Dassendorf „überquerten auf der letzten Naht die Ziellinie“, wie Trainer Thomas Hoffmann hinterher meinte. Denn der Meister hat ein wahrhaftiges Mammutprogramm hinter sich: Fünf Spiele in elf Tagen! „Das ist der totale Wahnsinn! Das kann man normalerweise einfach nicht machen und schaffen“, so Hoffmann weiter.

Als Kristof Kurczynski in der 80. Minute seinen verdienten Abgang bekam, witzelte Hoffmann: „Wir brauchen Dich noch fürs morgige Spiel.“ In Wirklichkeit kommen die Akteure des „Champions“ am Donnerstag endlich mal wieder in ein Gefühl, dass man zuletzt kaum kannte. Das Gefühl, einmal in Ruhe durchschnaufen zu können. „Peter und ich ziehen vor der Truppe alle Hüte, die auf die Rübe raufpassen! Beim einen oder anderen hoffe ich, dass er es bis Freitag zum Training schafft. Denn manche brauchen schon ein Sauerstoffzelt“, so „Hoffi“. Allen voran Rinik Carolus, der das hammerharte Programm von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz mitgemacht hat. „Rinik hat alle fünf Spiele über 90 Minuten durchgezogen. Was soll man dazu noch sagen?!“

"Verstehe nicht, warum der Verband nicht zustimmt, wenn sich die Vereine einig sind"

Insbesondere die heutige Ansetzung sorgte nicht nur in Dassendorf für Kopfschütteln. Auch beim TSV Buchholz 08 war das Unverständnis riesengroß. Ein Oberliga-Top Spiel zwischen dem Tabellenzweiten und dem Rangdritten an einem Mittwochabend um 18:30 Uhr gefühltermaßen irgendwo im Nirgendwo. Nach seiner Spielanalyse ergriff Buchholz-Coach Thorsten Schneider auch noch einmal das Wort und erklärte: „Wir waren uns mit Dassendorf eigentlich schon einig, im Mai zu spielen. Und ich glaube, Dassendorf war sich auch mit Rugenbergen einig, an einem anderen Termin zu spielen. Wie dem auch sei. Ich verstehe einfach nicht, dass der Verband dem nicht zustimmt, wenn sich die Vereine einig sind!“ Und weiter: „Für uns war es allein schon von der Anfahrt her katastrophal! Auch wenn jetzt viele lachen: Ich hätte lieber auf dem Acker nebenan (Dassendorfer Trainingsplatz; Anm. d. Red.) gespielt. Die letzten zwei Spieler sind bei uns erst zum Anpfiff da gewesen.“ Nicht nur das. Mit Philip Mathies musste sogar ein Spieler eigens für dieses Spiel reaktiviert werden.

TuS-Sportchef Jan Schönteich ergänzte zu diesem Thema: „Es ist ärgerlich, dass dem nicht stattgegeben wird, wenn sich zwei Parteien einig sind. Und das waren wir schon weit im Voraus. Es ist ja nicht so, dass zwei Leute vorher noch ins Kino wollten, sondern wir wussten auch um die Anreiseproblematik. Es ist schade und unflexibel.“

Kurczynski-Doppelpack entscheidet Spitzenspiel

Die 90 Minuten am Wendelweg sind indes schnell erzählt. Dassendorf diktierte das Geschehen – allerdings merkte man den Martens/Hoffmann-Kickern den Kräfteverschleiß der letzten Wochen deutlichst an. Während die Nordheider personell arg gebeutelt anreisten. Am Ende machten zwei Tore von Kristof Kurczynski den Unterschied aus. Beim 1:0 wurde „Kuczy“ mit einem sehenswerten Pass von Pascal Nägele in Szene gesetzt (31.). 20 Zeigerumdrehungen vor Ultimo öffnete Sven Möller mit einem traumhaften Steilpass den Raum für Marcel von Walsleben-Schied, der von halbrechts uneigennützig quer legte und Kurczynski dessen zweiten Treffer ermöglichte (71.)! Vom Tabellendritten ging so gut wie überhaupt keine Gefahr aus. Einzig Jakob Schulz gab so etwas wie einen Abschluss auf das Tor von Christian Gruhne ab, als er nach einem Gillich-Freistoß von links urplötzlich relativ freistehend am ersten Pfosten zum Kopfball hochstieg, das Ziel jedoch um einige Meter verfehlte (48.).

"Die Enttäuschung war groß, aber der Wettbewerb ist abgehakt"

Dassendorf hat das Spiel kontrolliert. Es ist uns geglückt, nicht zu viele Torchancen zuzulassen. Nach vorne hatten wir selbst nur eine Aktion. Von daher ist der Sieg völlig verdient“, bilanzierte Schneider kurz und knapp. Sein Gegenüber befand derweil: „Ein ganz hartes Stück Arbeit. Und wenn der Kopfball so kurz nach der Halbzeit drin ist, dann weiß ich nicht, was mit unseren Jungs los gewesen wäre. Aber wie die Jungs das heute hingekriegt haben, auf der letzten Naht die Ziellinie zu überqueren, da kann man wirklich nur den Hut vor ziehen! Ganz, ganz große Klasse.“ Und das auch noch mit dem äußerst bitteren Pokal-Knockout im Hinterkopf. „Wir haben das gestern beim Training nochmal ausführlich erörtert, uns aber dann auch gesagt, dass der Wettbewerb jetzt abgehakt ist. Da reden wir nicht mehr drüber, das ist vorbei. Die Enttäuschung ist zwar riesig, aber die Jungs wussten, worum es heute geht. Das hat man gesehen“, so Hoffmann abschließend. Seine Mannen schoben sich durch den Sieg wieder an Altona 93 vorbei an die Spitze der Oberliga. Allerdings hat der Regionalliga-Anwärter noch ein Spiel in der Hinterhand. Am Ende könnte also auch das Torverhältnis eine ganz entscheidende Rolle spielen – und auch da nehmen sich beide Teams derzeit rein gar nichts…

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