24.04.2016

Altona gewinnt ältestes Derby Deutschlands im zweitältesten Stadion!

Vicky fehlt der 'Luckypunch' und verliert in letzter Minute

Riesengroßer Jubel beim AFC! Selbst Coach Berkan Algan (M.) hielt es nicht mehr auf seiner Bank. Freudestrahlend lief er seinem Siegtorschützen in die Arme. Foto: Klaas Dierks!

Nicht gerade das schönste Fußballwetter fanden die 989 Zuschauer beim ältesten Derby Deutschlands vor, in dem Altona 93 den Tabellendritten SC Victoria empfing. Frische sechs Grad, Regenschauer am Vormittag und Hagelstürme während der Partie machten aus der Adolf-Jäger-Kampfbahn, dem zweitältesten Stadion Deutschlands, eine wirkliche Kampfbahn. 

Mit einer herausragenden Parade vereitelte AFC-Fänger Josh du Preez (2. v. r.) nach einer Stunde den Rückstand. Foto: Klaas Dierks!

Und diesen Kampf nahmen beide Teams von der ersten Minute an. Sie gingen ein hohes Tempo, spielten zielstrebig nach vorne, ließen aber beim letzten Pass immer wieder Nachlässigkeiten erkennen. Es dauerte bis zur siebten Spielminute, ehe der Gast zur ersten Torchance kam: Mit einem schnellen Konter über Marcel Rodrigues gelangte der Ball zu Vincent Boock, der das Leder auf die Außen zu Len Strömer weiterleitete und dieser fand mit einer hohen Flanke Boock am zweiten Pfosten wieder. Der 22-jährige Victorianer stieg zwar zum Kopfball hoch, konnte das Leder jedoch nicht platziert genug auf das Tor bringen, sodass Schlussmann Du Preez wenig Mühe hatte, den Ball zu entschärfen. Nach einer Viertelstunde war erneut ein großes Raunen von der Tribüne zu vernehmen, als der Ball nach einem Moslehe-Eckball an Mann und Maus vorbei flog, bei Hannes Niemeyer landete und dieser aus 14 Metern zum Abschluss kam. Der Schuss traf allerdings Mitspieler Brisevac, der in mustergültiger Abwehraktion den Ball vom Tor weg beförderte (14.). 

Der Siegtreffer! Altonas Ricardo Balzis (r.) wirft sich in die Brisevac-Hereingabe rein und vollstreckt zum 1:0. Foto: Klaas Dierks!

Lediglich drei Zeigerumdrehungen später sollte die Algan-Elf aber schon zu ihrer nächsten Möglichkeit kommen: Nick Brisevac trat von der rechten Seite einen Eckball, fand an der Strafraumgrenze Jakob Sachs und dieser knallte die Kugel aus 16 Metern mit ordentlich Wucht auf das Tor. Victoria-Schlussmann Grubba parierte den Sachs-Hammer allerdings stark und hielt sein Team weiterhin im Spiel (18.). Eine weitere Chance bot sich den Hausherren knapp zehn Minuten darauf. 93-Kapitän Benjamin Lipke, der mit dem Derby sein 150. Spiel für den Altonaer Fussball-Club bestritt, marschierte die linke Außenbahn bis zur Grundlinie herunter, bis er eine Flanke auf Niemeyer schlug und der versuchte, den Ball mit der Hacke an Grubba vorbei zu befördern. Der 24-jährige Torwart behielt allerdings die Übersicht und eröffnete mit einem langen Abwurf den nächsten Angriffsversuch seines Teams. Mit dem Eintreten eines Hagelsturmes, nach einer knappen halben Stunde, flachte das Spiel deutlich ab. Während man bis zum Pausenpfiff keine weiteren Torchancen mehr vernehmen konnte, gab es nur noch kleinere Nicklichkeiten in Form von Fouls.

Schon vor dem Spiel glänzten die AFC-Anhänger mit einer beeindruckenden Choreografie. Foto: Klaas Dierks!

Im zweiten Durchlauf versuchte die Algan-Elf mit dem Überraschungsmoment zum Erfolg zu gelangen und spielte gleich vom Anstoß weg nach vorne: Über den starken Brisevac gelangte der Ball zu Ali Moslehe, der das Leder noch einmal auf Niemeyer quer legte, allerdings besser beraten gewesen wäre, wenn er den direkten Torabschluss gesucht hätte, da Niemeyer nicht mehr rechtzeitig an den Ball kam und dieser ins Toraus rollte. Dies war jedoch auch die einzige Torchance in der Anfangsphase des zweiten Durchlaufs. Erst nach einer Stunde kamen die Blau-Gelben gefährlich vor das gegnerische Tor: Der eingewechselte Kangmin Choi startete in der eigenen Hälfte über die rechte Seite, spielte den langen Ball auf Kevin Zschimmer, der sich gegen 93-Akteur Chris Pfeifer stark durchsetzte, in den Strafraum eindrang und einen cleveren Rückpass spielte. Aus dem Gewühl heraus wurde Du Preez gefordert. Der südafrikanische Keeper sollte jedoch an diesem Tage unüberwindbar bleiben, parierte mit einem Weltklasse-Reflex, bei dem er innerhalb eines Wimpernschlags auf dem Boden lag und gerade noch so die Gäste-Führung vereitelte (60.)!

Altona behält Siegeswillen bis zur letzten Minute und belohnt sich

Nick Brisevac (2. v. l.) versuchte es kuntsvoll per Hacke. Foto: Klaas Dierks!

Hatte der Gastgeber in der ersten Hälfte noch mehr Spielanteile, gab der AFC diese im zweiten Durchgang ab und ließ das Spiel ein wenig dahin plätschern – bis zur 88. Spielminute. Was zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht mehr viele auf der matschigen Adolf-Jäger-Kampfbahn erwarteten, traf dann aber doch noch ein: der Torerfolg! Nick Brisevac behauptete sich auf der rechten Außenbahn, flankte den Ball flach in den Strafraum, wo Ricardo Balzis seinem Gegenspieler enteilte, auf den ersten Pfosten zulief und aus vier Metern den Ball in den Maschen unterbringen konnte (88.)! Der anschließende Jubel ist kaum in Worte zu fassen, denn sogar Berkan Algan setzte zum Sprint an, lief auf das Spielfeld und landete in den Armen von Torschütze Balzis! Während die Gäste mit der ersten Torchance im Spiel aufhorchen ließen, hatte die Bajramovic-Equipe auch die letzte Möglichkeit im Derby. Der eingewechselte Tarek Abdalla brach auf links durch und zog in den Sechzehner, versuchte aus spitzem Winkel zum Torerfolg zu kommen, allerdings bekam Cody Shields gerade noch seinen Fuß dazwischen und verhinderte so den Ausgleichstreffer (93.).

Berkan Algan bejubelte den Derby-Triumph vor dem AFC-Banner. Foto: Klaas Dierks!

„Wir sind sehr froh, dass wir gewonnen haben“, sagte ein erleichterter AFC-Coach Berkan Algan auf der anschließenden Pressekonferenz und freute sich besonders „aufgrund der letzten Wochen“, in denen sein Klub lediglich fünf Punkte aus fünf Spielen sammeln konnte. Vor allem „die Siege mit einem späten 1:0“ schmecken dem 39-Jährigen besonders, der seine Mannschaft „als die bessere“ angesehen hat und von dem „Esprit und der Leidenschaft der Auswechselspieler“ beeindruckt war.

Sein Gegenüber, Jasko Bajramovic, sah jedoch in seinem Team „die spielerisch bessere Mannschaft", die am Ende „einen Punkt verdient gehabt hätte", allerdings den „Luckypunch nicht setzen konnte". Am Ende war der Vicky-Coach aber dennoch froh, „wieder beim AFC zu sein", da er dort „eine sehr schöne Zeit hatte". Und erfolgreich war sie auch. Im Gegensatz zum aktuellen Trend beim SC Victoria...


Autor: Daniel Meyer

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