16.09.2017

Erschreckende Barmbeker machen's dem ETV ganz leicht

Höhn-Rückkehr missglückt - ETV nutzt verheerende Patzer

Mit den Händen in der Hüfte. Auch Mirco Missullis (vorne), Tayfun Karakaya (links) und Lukas Müller zeigten keine gute Leistung. Foto: Mathias Merk

Woche für Woche hört man, dass der ETV in der Bezirksliga Nord das Maß aller Dinge sei. Immerhin ist das Team von Thorsten Beyer weiterhin verlustpunktfrei. Davon möchte der Trainer allerdings nichts wissen: „Mich interessiert nur das heutige Spiel. Wie viele Spiele wir in Serie gewonnen haben, weiß ich gar nicht.“ Und das heutige Spiel stieg an der Dieselstraße beim HSV Barmbek-Uhlenhorst II, wo beide Trainer nicht anwesend waren und stattdessen von Ex-Coach Andreas Höhn für diese eine Partie vertreten wurden. Am Ende war es eine sehr einseitige Begegnung, weil die Hausherren nicht viel darboten und der ETV scheinbar „wacher und gestärkter“ war, um es mit den Worten Beyers zu sagen. 

Für das erste Tor sorgte Ramen Nurzai (links). Foto: Mathias Merk

Dass der Eimsbütteler TV als Spitzenreiter der Bezirksliga Nord als Favorit ins Spiel beim HSV Barmbek-Uhlenhorst II gehen würde, war von vornherein klar. Auch, dass die Elf von Thorsten Beyer in der laufenden Saison ausschließlich Siege einfuhr und nur äußerst schwer zu bespielen ist, war hinlänglich bekannt. Doch nun kommt das große "Aber". Denn: Dass es die Gäste an jenem Mittag so einfach haben sollten, weitere drei Punkte einzufahren, davon konnte nun wahrlich nicht ausgegangen werden.

Lediglich in der Anfangsphase, als der ETV noch nicht wach genug zu sein schien, spielten die Hausherren recht ansehnlich. Doch dann kamen die Eimsbütteler besser in die Partie und übernahmen ab der zehnten Minute für den Rest des Spiels die Dominanz, was dazu führte, dass es kurz darauf das erste Mal im Kasten von BU II klingelte. Dafür war Ramen Nurzai verantwortlich, der nach einem Querpass von Jon Pauli unbedrängt aus zwölf Metern zentraler Position für die 1:0-Auswärtsführung sorgte (12.). Spätestens ab diesem Zeitpunkt wirkten die Gastgeber völlig abgemeldet und überfordert, während die „Loki-Kicker“ nun Angriffe im Minutentakt fuhren. Deshalb dauerte es auch nur sechs weitere Zeigerumdrehungen, bis es nach einem dieser Vorstöße erneut im BU-Gehäuse einschlug, als Lou Anger aus der eigenen Hälfte heraus einen Konter einleitete und an der linken Außenbahn einen punktgenauen Pass in den Lauf von Rio Koch spielte. Dieser behielt im Zweikampf den Ball am Fuß, dribbelte sich im Strafraum bis zur Grundlinie vor und passte von links scharf vor den Kasten. Dort kam es zu einem Abstimmungsfehler zwischen BU-Keeper Vincent Driessen und seinem Verteidiger Lukas Müller, wobei Letztgenannter ins Straucheln geriet und das Spielgerät unglücklich über die eigene Torlinie drückte (18.). 

Dieselstraßen-Kicker nicht präsent genug

Meistens waren die ETV-Verteidiger um Max Groenhagen (Foto) in der ersten Halbzeit völlig unbedrängt. Foto: Mathias Merk

Schon zu diesem frühen Zeitpunkt konnte man durchaus festhalten, dass diese Aktion bezeichnend für das desolate Abwehrverhalten der Gastgeber war. Ebenfalls erschreckend, dass sich eine Mannschaft, die mit zwei Toren in Rückstand war, komplett hinten reinstellte, anstatt zumindest mal einen Versuch zu unternehmen, zum Anschluss zu kommen. Stattdessen durften sich die Eimsbütteler in ihrer eigenen Hälfte den Ball hin und her schieben und immer wieder neue Angriffe aufbauen, ohne dabei wirklich in Bedrängnis gebracht zu werden. Dieses Spiel hätten die Gäste auch bis zum Schluss so durchziehen können, da sich kaum ein Barmbeker mal in die generische Hälfte traute. Erst wenn der Ball die Mittellinie überschritt, wurde - eher halbherzig - der Zweikampf gesucht. Es schien fast so, dass die Hausherren bis zur Halbzeit versuchten, mit allen Spielern - ausgenommen Stoßstürmer Paul Smit - nur so wenig Gegentreffer wie möglich zu kassieren. War der Respekt vor dem ETV, der in diesem Jahr für die BZ Nord einfach zu übermächtig scheint, doch zu groß, auch wenn man Tage zuvor in den sozialen Medien verlauten ließ, dass die Mannschaft heiß auf diese Partie sei?

Nicht nur die Tatsache, dass es mit der Defensive und dem Gegenpressing nicht klappte, brachte den Zuschauer dazu, sich diese Frage zu stellen, sondern auch das ausgeprägte Fehlpassverhalten. Gefühlte 80 Prozent der weitergeleiteten Bälle landeten beim Gegner, der diese Situationen immer wieder für sich nutzte, um die unzähligen Offensivaktionen zu starten. Allerdings muss man bei aller Kritik auch das schnelle Umschaltspiel, die Handlungsschnelligkeit, das Stellungsspiel und Zweikampfverhalten sowie die Übersicht der ETV-Akteure lobend erwähnen.

Corea markiert mit seinem ersten Ballkontakt den Endstand

Torschütze Cedric Corea (2.v.l.) wird von seinen Mitspielern Jon Pauli (re.), Hammed Nawaz (2.v.r.) und Richmond Duah beglückwünscht. Foto: Mathias Merk

In der zweiten Halbzeit spielte BU II zwar etwas besser als im ersten Durchlauf, allerdings reichte es bei weitem nicht gegen einen ETV, der seine enorme Klasse locker herunterspielte, auch wenn die Gäste nach der Pause offensichtlich ein paar Gänge zurückschalteten und nicht mehr solch ein Powerplay auf das Parkett brachten wie noch in den ersten 45 Minuten. Dennoch kamen sie weiterhin zu ihren Chancen und Abschlüssen, wobei die Beyer-Truppe jedoch ein bisschen schwächelte. Denn hätten sie alle ihre Großchancen verwertet, wäre das Ergebnis am Ende noch um einiges höher ausgefallen. So fiel lediglich in der Schlussphase noch ein weiterer Treffer: Der kurz zuvor eingewechselte Cedric Corea nutzte einen herben Fehler von Driessen, als dieser ausrutschte und somit Corea die Pille vor die Füße bugsierte. Der Stürmer ließ sich nicht zweimal bitten und schoss mit seinem ersten Ballkontakt das runde Leder ins Glück (83.).

Interimscoach Höhn: „Die drei Tore haben wir ihnen geschenkt“

Ex-Coach Andreas Höhn stand für dieses eine Spiel vertretungsweise wieder an der Seite für BU II. Foto: Mathias Merk

Auf der Bank von BU II nahm interimsweise mit Andreas Höhn ein alter Bekannter Platz, da dessen Nachfolger Jan Haimerl und sein Co-Trainer Martin Kahl nicht anwesend sein konnten. Deshalb erklärte sich Höhn bereit, sein Ex-Team, von dem nicht mehr allzu viele Spieler übrig geblieben sind, auf den schweren Gegner einzustimmen. Außerdem stellte er sich natürlich auch den Fragen der Presse und spielte dabei die eigene Leistung mit seiner Sichtweise etwas herunter: „Man muss es mal so sehen, dass der ETV das Maß aller Dinge und in dieser Liga einfach jeder anderen Mannschaft drei Schritte voraus ist. Wir haben die ersten zehn Minuten wirklich gut gespielt und waren auch gut in den Zweikämpfen. Was die Fehlpässe angeht: Die gab es auf beiden Seiten. Es ist nicht so, dass der Gegner hier zweistellig gewonnen hat. Und die drei Tore waren Geschenke von uns. Erst machen wir die Nahtstelle nicht richtig zu, dann erzielen wir ein Eigentor und am Ende legen wir dem Gegner den Ball in die Füße. Wäre ich nicht nur als Interimslösung eingesprungen, sondern noch fest Trainer hier, hätte ich jetzt keinen Grund gesehen, mit dem Knüppel auf die Mannschaft einzuhauen. Wichtig ist, wie es dann nächste Woche weitergeht.“ Auf die Frage nach der ungenügenden Defensivleistung entgegnete Höhn: „Es war nicht so, dass der ETV zu vielen Hochkarätern kam. Sicherlich hatten sie ein paar Chancen, die sie nicht genutzt haben, aber die hatten wir auch.“ So unterschiedlich kann die Wahrnehmung eines Trainers und die der Zuschauer sein, die sich während des Spiels und auch danach darüber unterhielten, dass die Hausherren irgendwie nicht stattfanden...

Beyer: „Wir haben wach und gestärkt gewonnen“

Für ETV-Coach Thorsten Beyer (vorne) ist es wichtig, dass sein junges Team gestärkt und wach in eine Partie geht. Foto: Mathias Merk

Sein Gegenüber, Thorsten Beyer, erklärte ein Teil des Erfolgsrezeptes: „Für mich ist es wichtig, dass so eine junge Truppe einen ordentlichen Rhythmus besitzt. Wir haben uns am Morgen getroffen, um alle gemeinsam zu frühstücken und den Tag zu beginnen. Deshalb waren wir auch wach. Ich denke, dass das auch dazu beigetragen hat, dass wir heute gewinnen konnten. Denn es ist die Mannschaft als Sieger vom Platz gegangen, die wach und gestärkt war. Und das haben wir ganz gut gemacht.“ Was den Spielverlauf anging, analysierte Beyer: „Wir hatten viel Ballbesitz, was wir genauso wollten. Zudem haben wir jetzt im zweiten Spiel in Folge kaum eine Chance des Gegners zugelassen, was mich freut, da ich Fußball so ganz gerne spiele, weil eine starke Defensive eben auch eine Meisterschaft entscheiden kann.“ Allerdings wollte der Trainer nicht viel von der laufenden Erfolgsserie seiner Truppe wissen: „Für mich haben wir dieses Wochenende ein Spiel gewonnen. Das ist wichtig. Wie viele Siege es in Serie sind, dass weiß ich gar nicht.“ Eines wusste Beyer aber sicher: Im weiteren Verlauf des Tages „sollte Marcel Plewka (Co-Trainer, Anm. d. Red.) als Geburtstagskind mindestens noch ein Kaltgetränk springen lassen. Die Kehle ist trocken. Anschließend werden wir mit der Mannschaft nach Ochsenwerder fahren, wo ich meinen Titel im Swingolf zu verteidigen habe.“ Die Stimmung könnte beim Tabellenprimus demnach nicht besser sein. 

Alle Höhepunkte in der Zusammenfassung im LIVE-Ticker.

Autor: Mathias Merk

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