09.09.2017

Jackpot geknackt: Ein „Dreier“ mit SOUSAtzzahl

Curslack feiert einen 5:1-Erfolg gegen Süderelbe

Adi und sein Anhang: Dreifach-Torschütze Adrian Sousa (re.) jubelt mit dem ein Mal erfolgreichen Florian Rogge (Mi.) und Tom Bober (li.). Foto: KBS-Picture

Unter der Woche musste Torsten Henke noch mit dem „Worst case“ rechnen. Dem, dass er im Heimspiel gegen den FC Süderelbe eigentlich nahezu komplett ohne Offensive dagestanden hätte. Niklas Hoffmann fehlte berufs-, Jan Landau krankheitsbedingt. Timo Lenz weilt noch im Urlaub. Und auch Collins Folarin und Adrian Sousa waren angeschlagen und konnten nicht so umfangreich trainieren, wie es sich der Coach des SV Curslack-Neuengamme erhofft hatte. Letztlich aber gaben Folarin und Sousa Entwarnung und liefen auf. Es war, so sollte sich nach dem Schlusspfiff des Spiels vor 135 zahlenden Zuschauern schließlich sagen können, mehr als die halbe Miete für den 5:1-Erfolg des SVCN, den die Vierländer vor allem einem zu verdanken hatten...

Der Held des Tages hatte noch einen weiteren Auftritt im Köcher. Adrian Sousa schritt, noch immer im Trikot, durch das Vereinsheim, wo wenige Augenblicke zuvor die Pressekonferenz stattgefunden hatte. Sousa selbst hatte sich Minuten vorher auch der Journaille stellen müssen und erklärte dabei mit Blick darauf, ob der SVCN nach diesem Sieg und nunmehr 14 Punkten aus sieben Spielen in der Tabelle denn nun noch weiter nach oben schielen könne oder wolle: „Das wird man sehen. Die Saison ist noch lang.“ Eine wahrheitsgemäße Aussage. Aber eben auch eine dieser typischen Fußball-Floskeln. Und auf die steht in Curslack eine „Strafe“: Wer immer Phrasen dieser Art drischt, muss ins Phrasenschwein einzahlen. Kaum hatte Curslacks Manager Oliver Schubert vom „Vergehen“ seines Stürmers gehört, da verschwand er in der Umkleidekabine. Augenblicke später erschien dann Sousa. Bewaffnet mit einem Euro, den er im Phrasenschwein versenkte und dann grinsend den Raum verließ. Allerdings nicht ohne Schubert verbal zuzuwerfen: „Ein Schein wäre dir wohl lieber gewesen...“

Henke: „Wir haben das nach der Pause souverän runter gespielt“

Was willst du denn, Kleiner? Die Curslacker Sebastian Spiewak (li.) und Patrik Papke )hi.) im Duell mit Süderelbes Tarik Cosgun. Foto: KBS-Picture

Kurzum: Sousa war in Hochstimmung. Und mit ihm der ganze SVCN. Kein Wunder, schließlich war der Sieg gegen den Kontrahenten aus dem Süden Hamburgs so souverän und deutlich ausgefallen, dass selbst Torsten Henke – immerhin seit 15 Jahren Coach am Gramkoweg – kommentierte: „Ich bin zwar schon lange dabei, aber ich kann mich spontan nicht erinnern, wann es das letzte Spiel gegeben hat, wo es tatsächlich mal so war, dass es schon früh ziemlich durch war zu unseren Gunsten.“ Dass dem so war, lag an einem starken Auftritt der Henke-Schützlinge. Und vor allem an Adrian Sousa. Drei Mal traf der Stürmer der Hausherren ins Schwarze, legte zudem einen weiteren Treffer als Vorbereiter auf. In doppeltem Sinne also ein „Dreier“ mit SOUSAtzzahl. Zum einen, weil Sousa mit drei Treffern den Weg zum Sieg, dem zusätzlichen Freudenmoment, sicherte. Zum anderen, weil er eben drei Mal traf und zusätzlich noch für Florian Rogge, der nach 86 Minuten das 5:1 erzielte, als derjenige fungierte, der den finalen Pass spielte, ehe die Kugel zum letzten Mal an diesem Samstagnachmittag im Netz einschlug.

Beginnen wir aber so, wie es sich gehört. Von ganz vorn nämlich. Zwölf Zeigerumdrehungen waren vergangen, da spielte Florian Klein Sousa an, doch dessen Schuss ging am Tor vorbei. Versuch Nummer zwei folgte nach 16 Minuten: Süderelbe bekam hinten den Ball nicht weg, Sandro Greffs Klärungsversuch landete bei Sousa und der schlug diesmal eiskalt zu – 1:0. Trotz des Rückstandes kamen die Gäste danach etwas besser in die Begegnung, ein Tor aber gelang ihnen vorerst nicht. Auch, weil Schiedsrichter Stephan Timm (SC Egenbüttel) nach 38 Minuten der Meinung war, dass Tarik Cosgun bei seinem Torerfolg im Anschluss an einen Fehler von Sebastian Spiewak, der ein Zuspiel auf den FCS-Stürmer überhaupt erst möglich machte, im Abseits gestanden haben soll. Danach war wieder „Sousa-Time“. Erst mit einem Heber, der sowohl über FCS-Keeper Yalcin Ceylani als auch über das Tor flog (45.), dann mit dem 2:0, bei dem „Adi“ einen Schritt schneller als der aus seinem Tor geeilte Ceylani war, den Ball aufnahm, am Süderelbe-Schlussmann vorbei lief und schließlich seelenruhig ins leere Tor einschob.

Walek: „Im Goßen und Ganzen waren wir im Kollektiv extrem schlecht“

Bild mit Symbolcharakter: Süderelbes Coach Markus Walek war vom kollektiv schwachen Auftritt seines Teams enttäuscht. Foto: KBS-Picture

Die „Sousa-Show“ aber war damit noch lange nicht beendet. Selbst die Halbzeitpause brachte den 23-Jährigen nicht aus dem Rhythmus. Im Gegenteil: Sousa holte das nach, was ihm im ersten Durchgang noch misslungen war. Zehn Minuten nach Wiederbeginn spielte Florian Rogge einen langen Ball nach vorne auf seinen Stürmer. Sousa probierte es abermals per Heber. Und diesmal passte alles: Die Kugel flog über Ceylani hinweg und senkte sich dann ins Netz – 3:0 für den SVCN (55.). Süderelbe hatte dem vorerst nur einen Kopfball durch Tarik Cosgun entgegenzusetzen, den SVCN-„Goalie“ Gianluca Babuschkin aber im Nachfassen sicherte (59.). Als drei Minuten späte die Pille auf der anderen Seite erneut hinter Ceylani einschlug, war es zur Abwechslung mal nicht Sousa, sondern Collins Folarin, der sich in die Torschützenliste eintrug, nachdem Innenverteidiger Martin Sobczyk zuvor einen dicken Bock geschossen und die Kugel am eigenen Strafraum gegen den Torschützen verloren hatte (62.).

Ein SVCN-Akteur hätte anschließend den Vorsprung weiter ausbauen können und war später daran beteiligt, dass tatsächlich noch ein fünfter Treffer für die Hausherren fallen sollte. Wer? Adrian Sousa natürlich. In der 70. Minute traf er nach einem Zuspiel von Rogge nur das Außennetz. So fiel das nächste Tor tatsächlich gegen den Gastgeber: Cosgun steckte am SVCN-Strafraum auf Max Hartmann durch, Babuschkin konnte den Einschlag nicht mehr verhindern – es stand „nur“ noch 4:1 für die Mannschaft von Torsten Henke. Doch Sousa hatte sich ja noch einen weiteren lichten Moment aufgehoben: Nur eine Minute nach dem FCS-Treffer stand er blank vor Ceylani und legte, statt selbst abzuschließen, quer nach links auf den ebenso verwaist stehenden Rogge, der das Spielgerät schließlich problemlos zum Endstand versenkte. „Einige Nachlässigkeiten nach dem 3:0 und 4:0 ärgern mich. Das gilt auch für den Gegentreffer“, konstatierte Curslack-Coach Henke, freute sich aber, dass sein Team „mit dem 5:1 noch einmal eine Antwort darauf gegeben hat.“

Sousa: „Es läuft besser als gedacht – das ist ein geiles Gefühl“

Gleich ist er drin: Adrian Sousa lupft den Ball zum 3:0 über FCS-Keeper Yalcin Ceylani (re.) hinweg. Foto: KBS-Picture

„Wir haben das ordentlich gemacht und die Treffer zur richtigen Zeit erzielt. Nach einer guten Anfangsphase hatten wir ab der 30. Minute eine Phase, in der wir nicht gut waren und uns selbst Schwierigkeiten gemacht haben. Zum Glück fangen wir uns da nicht den Ausgleich ein“, resümierte Henke im Anschluss an das Spiel, „nach der Pause haben wir das Ganze souverän und ordentlich runter gespielt.“ Sein Widerpart hatte nicht ganz so viel Freude an der Begegnung. „Wir haben die ersten 20 Minuten gar nicht ins Spiel gefunden und den Gegner quasi ein bisschen zum Führungstreffer eingeladen. Ich glaube, im Großen und Ganzen waren wir im Kollektiv extrem schlecht. Wir haben gegen den Ball schlecht verteidigt und es Curslack mehr oder weniger einfach gemacht. Dennoch hat unser Gegner ein gutes Spiel gezeigt“, fasste Süderelbes Übungsleiter Markus Walek das Geschehen aus seiner Sicht zusammen.

Die Schlussworte aber gebühren dem „Man of the match“: Adrian Sousa. „Es läuft besser als gedacht“, sagte der Torjäger und wusste gar nicht, wann ihm zuletzt ein Dreierpack gelungen war: „Da muss ich echt schwer überlegen. Das ist auf jeden Fall schon länger her. Aber es ist ein geiles Gefühl.“ Mit dem Sieg, so Sousa weiter, „sind wir jetzt oben mit dabei. Das wollen wir in den nächsten Wochen bestätigen und weiter Gas geben.“ Die ersten 15 Minuten der Partie, so Sousas Einschätzung, „haben wir im Griff gehabt und waren solide. Dann machen wir das 1:0 und haben nach dem Tor nachgelassen. Aber wir sind nach der Halbzeit stark wieder raus gekommen. Süderelbe war nicht so stark und hat uns nicht so viel gefordert, wie wir das vorher gedacht haben. Wir hatten uns auf besseren offensiven Fußball des Gegners eingestellt.“ Enttäuscht aber sei er vom Auftritt des Gegners nicht: „Wir haben ja gewonnen, wieso sollte ich da von irgendwas enttäuscht sein“, verriet der Dreifach-Torschütze mit einem Schmunzeln.

Jan Knötzsch

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