11.08.2017

Aumühle-Neucoach Friedrich: „Hier genieße ich ein großes Vertrauen“

Mit guter Fitness - Aumühle kickt Landesligist aus dem Pokal

Die Liga-Mannschaft des TuS Aumühle-Wohltorf feierte zurecht ihren Sieg gegen den FC Elazig Spor und das Weiterkommen im ODDSET-Pokal. Foto: TuS Aumühle-Wohltorf

Immer wieder tritt im Pokal-Wettbewerb der Fall ein, dass sich vermeintlich „kleinere“ Teams aufopfern, um den großen Mannschaften ein Bein zu stellen, sie aus dem Wettbewerb zu kegeln und selbst eine Runde weiterzukommen. Auch in der dritten Runde des ODDSET-Pokals gelang dieses Kunststück dem TuS Aumühle-Wohltorf, der sich bisher in der Kreisliga 3 zwar noch nicht mit Ruhm bekleckerte, aber dafür nun nach 120 Minuten den Landesligisten FC Elazig Spor besiegte. Neu-Trainer Mario Friedrich: „Wir haben eine harte Saisonvorbereitung mit vielen Laufeinheiten hinter uns, was sich nun über die lange Spielzeit in dieser Partie ausgezahlt hat.“

Im Vorfeld der Partie blickte der Kreisligist doch sehr nüchtern auf die anstehende Pokalbegegnung gegen den Landesligisten FC Elazig Spor (Hansa-Staffel), da sich die Jungs von Neucoach Mario Friedrich an die letzte Runde gegen den Bezirksligisten SC Eilbek erinnerten. Ein sehr kräftezehrendes Spiel, auch wenn sie mit einem 2:1-Sieg die erste kleine Überraschung schafften. Doch in der zuvor einberufenen Teambesprechung fand der Trainer offensichtlich die richtigen Worte: „Ich sagte ihnen, dass ein Außenseiter, nicht nur im Sport, sondern auf das ganze Leben bezogen, immer wieder für Überraschungen sorgen kann, weil mit ihm einfach nicht gerechnet wird. Ich habe Ihnen klargemacht, dass sie nichts zu verlieren hätten und einfach frei aufspielen sollen.“

Diese Worte nahmen sich seine Kicker wohl zu Herzen. Denn sie lieferten sich mit dem Sechstligisten einen Pokalkampf, den sie am Ende nach langen 120 Minuten für sich entschieden. Zunächst ging allerdings der Favorit bereits früh in Führung, als Faraz Farbin nach zwölf Zeigerumdrehungen ins Netz traf und somit den Grundstein für einen erfolgreichen Ausgang seiner Truppe legte. Aber es sollte ganz anders kommen: Die Hausherren wirkten nach dem frühen Gegentor zunächst etwas verunsichert, was jedoch nur von kurzer Dauer war. Anschließend schüttelten sie sich einmal ordentlich durch, sortierten sich und holten nochmal alles, was in ihnen steckte, aus sich heraus. Friedrich: „Zu Beginn hatte Elazig Spor tatsächlich mehr Spielanteilte, aber ab dem Zeitpunkt, als wir einen Rückstand aufholen mussten, konnte man - meiner Meinung nach - keinen Klassenunterschied mehr erkennen. Das haben die Jungs echt gut gemacht.“ Und quasi mit dem Pausenpfiff erzielte Daniel Otremba, der Stümer wird von seinen Mitspielern liebevoll nur „Takka“ genannt, den 1:1-Ausgleich (45.+1). „Wie sagt man so schön: Der Treffer kam zum psychologisch günstigen Zeitpunkt“, so Friedrich, der in den zweiten 45 Minuten eine sehr gut geordnete Defensive seiner Jungs erkannte.

„Nicht ich bin zwei Stunden über den Platz gerannt, sondern die Jungs"

Doppel-Scorer Daniel Otremba (rechts) mit Dima Woronow (mitte) und Falk Neubert. Foto: TuS Aumühle-Wohltorf

„In unserer harten und intensiven Saisonvorbereitung haben die Spieler immer große Augen gemacht, wenn wir ihnen gesagt haben, dass sie am Ende der Einheiten noch Laufen müssen. Das war natürlich anstrengend, aber jetzt wissen sie, wofür sie es getan haben. Jetzt hat es sich ausgezahlt“, erzählt Friedrich, der sich darüber freuen durfte, dass seine Jungs die Verlängerung ohne große Fitnessprobleme angehen konnten. Nicht nur das. In der 94. Minute drehte der Außenseiter das Spiel und das Geschehen völlig auf den Kopf - nachdem der Landesligist bis hierhin eine Reihe an Chancen ausließ. Dieses Mal glänzte Ausgleichs-Schütze Otremba als Vorbereiter, als er mustergültig einen Querpass auf Julius Nelson Raju, wechselte im Sommer vom Niendorfer TSV II nach Aumühle, spielte, der damit zum 2:1 für das "Fuchsrudel" traf und somit den umjubelten Endstand markierte. „Das Team hat das wirklich sehr gut umgesetzt, was wir vorher trainiert haben. Elazig war zwar ein starker Gegner, aber in der Abwehr haben wir ihnen keine Chance mehr gelassen. Und wenn sie dann doch mal durchgebrochen sind, war unser Torwart Leo (Leonard Schobeß, neu vom FC Voran Ohe II, Anm. d. Red.) zur Stelle, der dann auch hin und wieder seinen tollen Beitrag dazu geleistet hat, dass wir am Ende als Sieger vom Platz gehen konnten.“ Allerdings sah Friedrich nicht nur seine Handschrift in diesem Erfolg: „Es muss zwischen den Trainern und der Mannschaft einfach passen. Ich war es nämlich nicht, der zwei Stunden über den Platz gerannt ist. Das haben die Jungs gemacht. Ich kann ihnen nur die Anleitung dafür geben, aber die Umsetzung liegt ganz bei ihnen und das haben sie wunderbar gemacht.“

„In Aumühle stimmt einfach alles"

Dabei gibt Friedrich seine Anweisungen noch gar nicht lange am Fritz-Bortz-Sportplatz. In der Vorsaison war er noch beim Hansa-Landesligisten SC Schwarzenbek an der Seitenlinie. Zunächst als Co-Trainer und dann sogar als Chefcoach. Doch im Laufe der Spielzeit trennten sich die Wege, was aus Sicht von Friedrich „nicht ganz freiwillig“ war. Nun scheint er nicht nur einen neuen Verein gefunden zu haben, sondern auch einen Ort, an dem er sich pudelwohl fühlt. „In Aumühle stimmt einfach alles. Nachdem ich hier vor zwei Jahren noch eine Jugend-Spielgemeinschaft aus Börnsen und Aumühle betreut habe, bevor ich nach Schwarzenbek ging, riss der Kontakt nie ab. Das zwischenmenschliche Verhältnis hier ist einfach klasse. Ich genieße ein sehr großes Vertrauen vom Vorstand und von der Sportlichen Leitung, habe mit Dirk (Gastein, Anm. d. Red.) einen tollen Co-Trainer und mit Nico (Gieratz, Anm. d. Red.) einen tollen Torwarttrainer. Natürlich habe ich hier, ich sage mal, den Hut auf, aber wir besprechen wirklich alles gemeinsam und ergänzen uns hervorragend. Auch die Anlage und die Möglichkeiten lassen einen Trainer gut arbeiten“, kommt Friedrich aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Nun muss die Truppe allerdings auch in der Liga ihr Können unter Beweis stellen. Dort ist man nämlich noch sieglos. Doch auch in diesem Punkt ist Friedrich äußerst gelassen: „Die Jungs können aus diesem Spiel viel mitnehmen. Sollten wir am Wochenende einen Dreier einfahren, sind wir im oberen Mittelfeld der Tabelle, wo wir auch hinwollen. Aber mehr ist noch nicht unser Ziel. Denn wir setzen in Zukunft vermehrt auf die Jugend. Wir wollen den Nachwuchs fördern und an den Herrenbereich heranbringen. Alles weitere wird Schritt für Schritt angegangen.“



Das Team des TuS Aumühle-Wohltorf feiert verdient den Pokalsieg über Landesligist Elazig Spor.


Autor: Mathias Merk

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