11.08.2017

Der „Dino“ beißt wieder am Parkweg: Sasel-Senkrechtstarter ist zurück!

Edin Tanovic im Interview über seine Rückkehr

Edin Tanovic (re.) - hier im Duell mit Bakery Jatta - kehrt nach einem Jahr bei der U23 des FC St. Pauli zum Oberliga-Aufsteiger aus Sasel zurück. Foto: KBS-Picture.de

Der „Dino“ ist zurück – zurück beim TSV Sasel! „Ich kann da nur drei Kreuze machen und nehme solch einen Spieler natürlich mit Kusshand“, ist Trainer Danny Zankl überglücklich, dass Edin Tanovic nach einem Jahr bei der U23 des FC St. Pauli an den Parkweg zurückkehrt. „Ich weiß, was er für eine Qualität hat und sehe in ihm einen sehr guten Regionalliga-Spieler. Ich wäre ein sehr blinder und dummer Trainer, wenn ich ihn nicht zurückgenommen hätte“, zeigt sich Zankl von der Rückkehr seines ehemaligen Außenverteidigers begeistert – und erklärt: „Sportlich ist es sicher ein Schritt zurück, aber er kann bei uns andere Prioritäten setzen.“ Und diese „anderen Prioritäten“ sind es auch, die bei Tanovic zu jenem kurzfristigen Entschluss führten.

Edin Tanovic läuft künftig wieder in blau und weiß auf. Archivbild: noveski.com

In der Saison 2015/16 war Edin Tanovic einer der herausragenden Akteure der Landesliga Hammonia. So herausragend, dass der FC St Pauli II hellhörig wurde und den Linksfuß vom TSV Sasel verpflichtete. Nachdem der heute 20-Jährige die Hinrunde verletzungsbedingt nahezu komplett verpasste, mauserte er sich in der zweiten Saisonhälfte zum Stammspieler in der Regionalliga und kam zu 13 Einsätzen. Der Kontakt zu seinem Ex-Verein riss aber nie ab. „Wir haben den persönlichen Draht zueinander immer gehalten. Ich habe versucht, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, verrät uns Zankl. So auch in jener Phase, in der Tanovic ins Grübeln kam. Ins Überlegen, wie es sportlich für ihn weitergeht. „Mein persönlicher Rat war der, dass er seinen Zwei-Jahres-Vertrag bei St. Pauli erfüllen soll. Er war schließlich nicht weit weg und hatte den Kontakt nach oben.“

Letzten Endes gab es allerdings „ein paar Faktoren, die ihn dazu bewogen haben“, einen anderen Weg einzuschlagen. „In diesem Alter muss man zweigleisig planen. Man kann nicht alles auf die Schiene Fußball setzen. Und er geht beruflich nun einen anderen Weg, der mit den Trainingszeiten – teilweise auch vormittags – nicht zu vereinen waren. Deshalb hat er für sich diese sehr nüchterne Entscheidung getroffen.“ Ein Entschluss, der Tanovic zu Zankl und zum TSV Sasel zurückführt. „Der Zeitpunkt ist für den abgebenden Verein natürlich alles andere als ideal. Aber der FC St. Pauli hat nicht nur schnell gehandelt, sondern hat sich auch absolut menschlich und überaus fair verhalten“, so Zankl, dessen neuer/alter Schützling in dieser Spielzeit eine durchaus tragende Rolle bei den „Kiezkickerchen“ hätte einnehmen können und sollen.

Und wie beurteilt Edin Tanovic selbst seinen Wechsel zum Oberliga-Aufsteiger? Wir haben mit dem Außenverteidiger, der von seinen Mitspielern nur „Dino“ genannt wird, gesprochen…

Foto: KBS-Picture.de

FussiFreunde: Dino, erkläre uns mal die Gründe für den plötzlichen Abschied vom FC St. Pauli und den Wechsel zum TSV Sasel.

Tanovic: „Die Gründe sind rein privater und beruflicher Natur. Mit dem Verein hat das überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil. Ich habe mich bei St. Pauli sehr wohlgefühlt. Mit Danny Zankl stand ich immer in Kontakt. Er hat mir dazu geraten, die Saison auf jeden Fall dort zu Ende zu spielen. Aber letztlich hat es von den Trainingszeiten her einfach nicht mehr gepasst.“

FussiFreunde: Wie schwer ist dir der Abschied gefallen?


Tanovic: „Sehr schwer! Einerseits, weil ich weiß, dass es sportlich ein großer Schritt zurück ist. Andererseits aber auch, weil ich mich mit den Mitspielern extrem gut verstanden habe und mit allen gut klar kam. Deshalb habe ich auch sehr lange darüber nachgedacht, mit vielen Leuten gesprochen und mir einige Meinungen eingeholt, wie sie in solch einer Situation handeln würden. Die Entscheidung habe schlussendlich aber nur ich getroffen.“

FussiFreunde: In der Vorbereitung durftest du ja sogar mit den Profis trainieren und im Vorjahr auch bei einem Testspiel gegen Osnabrück mitwirken. Hast du den Traum vom Profi-Fußball mit diesem Wechsel abgehakt?

Tanovic: „Es stimmt, dass ich einer der ersten war, der in der Vorbereitung mit den Profis trainieren durfte. Leider bin ich dann krank geworden und habe mit einer Grippe fast zwei Wochen gefehlt. In der Zeit wurden zwei, drei andere Jungs hochgezogen und durften mit ins Trainingslager reisen. Ich glaube, wenn ich nicht krank geworden wäre, hätte ich eine sehr große Chance gehabt, mit ins Trainingslager zu fahren. Natürlich macht man sich darüber Gedanken – auch, ob das Thema ‚Profi-Fußball‘ damit erledigt ist. Aber falls sich die Möglichkeit noch einmal ergeben würde, dann würde ich sie in jedem Fall wahrnehmen. Aber erstmal muss ich mich um meine private und berufliche Situation kümmern.“

FussiFreunde: Wie hat der Verein auf den doch sehr kurzfristigen Wechselwunsch reagiert?


Tanovic: „Ich bin St. Pauli sehr dankbar, dass man mir keine Steine in den Weg gelegt hat – auch wenn der Verein anfangs natürlich etwas geschockt war. Trotzdem werde ich die Zeit immer in guter Erinnerung behalten. Der Verein hat mir diese große Chance ermöglicht. Auch dem Trainer, Joachim Philipkowski, muss man großen Respekt zollen, dass er trotz einer so jungen Mannschaft – im letzten Jahr hatten wir einen Altersschnitt von 20 Jahren, jetzt liegt der bei 19 Jahren – immer die spielerischen Lösungen sehen wollte. Das hat der Mannschaft sehr geholfen. Und ich bin ihm auch dankbar, dass er in der Rückrunde auf mich gesetzt hat.“

Nach dem Training am Donnerstagabend präsentierte Tanovic sein neues/altes Trikot. Foto: TSV Sasel

FussiFreunde: War Sasel für dich denn die einzige Option – oder gab es auch noch andere Möglichkeiten?

Tanovic: „Sasel ist für mich die beste Anlaufstelle. Ich habe dort eine Saison gespielt und kam in der Zeit mit den Jungs und dem Trainer überragend klar. Ich kenne das Umfeld, der Platz ist bei mir in der Nähe, mit ‚Bünni‘ (Bünyamin Balat; Anm d. Red.) ist gerade ein weiterer Spieler da hingewechselt, mit dem ich schon bei Holstein Kiel in der Jugend zusammengespielt habe, und die Mannschaft ist an sich qualitativ extrem gut. All das hat für Sasel gesprochen.“

FussiFreunde: Du hast es schon angesprochen, dass mit Bünyamin Balat und natürlich auch mit deiner Wenigkeit nochmal an Qualität dazugekommen ist. Wie sieht denn dein konkretes Ziel aus – geht’s nur um den Klassenerhalt oder ist mit Sasel mehr drin?

Tanovic: „Für mich ist definitiv ein einstelliger Tabellenplatz das Ziel. Spielerisch denke ich sogar, dass wir da zu den Top fünf der Liga gehören können. Allerdings spielt die Mannschaft mit einem neuen System, was ein paar Spiele brauchen wird, bis alle das verinnerlicht haben und so umsetzen können, wie es der Trainer verlangt. Aber ich gehe sehr euphorisch in die Saison!“

FussiFreunde: Wo siehst du dich in dem neuen System – hinten in der Dreierkette?

Tanovic: „Genau. Auch bei St. Pauli habe ich schon immer den defensiven Part gespielt – und ich denke, dass ich der Mannschaft da auch am besten weiterhelfen kann.“

Autor: Dennis Kormanjos

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