18.04.2017

Futsal aus Absurdistan, eine Wahnsinns-Woche und der böse Lärm...

Abpfiff – die FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture

Ab sofort greifen wir an dieser Stelle unter dem Titel „Abpfiff“ in unserer Kolumne die Geschehnisse des Wochenendes und die wichtigsten Themen der vorangegangenen Woche im Hamburger Fußball auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es um die Geschehnisse bei den Futsal-Meisterschafts-Halbfinalspielen der Hamburg Panthers und des FC Fortis, den verrückten Spielplan der TuS Dassendorf und die Terminschwierigkeiten von Concordia für das ODDSET-Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Norderstedt.

Nehmen wir doch mal an, liebe Leser, zwei Vereine erreichen das Halbfinale der Champions League. Nennen wir sie, weil diese Geschichte schon, um es nett zu formulieren, etwas ungewöhnlich ist, einfach den FC Krass und den TuS Ziemlich-Verrückt. Dem FC Krass wird Bayern München als Gegner zugelost, der TuS Ziemlich-Verrückt muss gegen Borussia Dortmund spielen. Weil beide Clubs gute Verbindungen haben, schnappt sich der FC Krass alles, was beim FC Barcelona Rang und Namen hat, bietet es im Halbfinale auf – und schafft den Einzug ins Finale. Der TuS Ziemlich-Verrückt stattet sein Team mit jeder Menge Kickern von Real Madrid aus – und schafft ebenfalls den Einzug ins Finale. Gibt's nicht? Nein, stimmt. Zumindest im Fußball nicht. Wenn man aber aus Fußball Futsal macht, Dortmund und Bayern durch die Hamburg Panthers und den FC Fortis ersetzt und statt vom FC Krass und dem TuS Ziemlich-Verrückt vom VfL Hohenstein-Ernstthal und Jahn Regensburg spricht und die dazu geholten Kicker keine von Barca oder Real, sondern aus der Ukraine und Brasilien sind – dann gibt’s das Ganze sehr wohl.

„Brasilia“ Regensburg gegen „Lokomotive“ Hohenstein-Ernstthal

Yalcin Ceylani und die Hamburg Panthers schieden ebenso wie der FC Fortis im Halbfinale aus – jeweils mit einem faden Beigeschmack. Foto: KBS-Picture

So geschehen im Halbfinale um die Deutsche Futsal-Meisterschaft am vergangenen Wochenende. Da spielten auf Seiten des SSV Jahn Regensburg, dessen Futsaler von niemand geringerem als FC Bayern-Spieler Douglas Costa „supportet“ werden, gegen die Panthers jede Menge Brasilianer und auf Seiten des VfL gegen den FC Fortis – so wie übrigens auch schon im Viertelfinale gegen Sennestadt – ein ukrainischer Block an Spielern. Das Ende ist bekannt: Fortis und die Panthers blieben auf der Strecke. Die einen noch in der regulären Spielzeit, die anderen im Sechsmeterschießen. Kann beides passieren, wenn, ja wenn da nicht diese Tatsache mit dem brasilianischen und dem ukrainischen Block wäre. Vor allem bei Hohenstein lohnt sich der ganz genaue Blick auf die „Ukraine-Fraktion“. Die nämlich soll nachweislich in der gesamten Saison 2016/2017 im ukrainischen Vereins-Futsal aktiv gewesen beziehungsweise es sogar derzeit noch sein. In den Durchführungen der Deutschen Futsal-Meisterschaft heißt es auf Seite 39 unter Punkt 3 im Paragraphen 85: „Spieler, die eine Futsal-Spielberechtigung für einen Verein im Ausland besitzen, sind nicht spielberechtigt.“

Warum sie dann auf einmal im Viertel- und im Halbfinale einer Deutschen Futsal-Meisterschaft auftauchen dürfen? Versteht vermutlich keiner. Und der DFB äußert sich dazu bis jetzt nicht in der Art öffentlich, wie es für eine Aufklärung hilfreich wäre. Der MCH Futsal-Club Sennestadt beschäftigte sich immerhin nach dem Viertelfinale, in dem der „Ukraine-Block“ auch auflief, mit einem Einspruch, den man allerdings verwarf, weil man ihn aufgrund von Recherchen nicht binnen einer 48-Stunden-Frist stellen konnte. Der fade Beigeschmack aber bleibt – sowohl, was das Viertel- und das Halbfinale mit den Ukrainern als auch die „brasilianische Invasion“ angeht. Mit Chancengleicheit hat es jedenfalls nichts zu tun, wenn sich zwei Halbfinalisten dank nötiger Knete und Kontakten quasi „bis zum Geht-Nicht-Mehr“ mit Nicht-EU und Doppel-Spielern bedienen können, ohne das es vom Verband dafür eine klare Mindestgrenze, vernünftige Regularien oder ein Einschreiten gibt. So jedenfalls – und mit einem deutschen Finale, das – bewusst überspitzt formuliert – auch Jahn „Brasilia“ Regensburg gegen VfL „Lokomotive“ Hohenstein-Ernstthal heißen und in Absurdistan stattfinden könnte, tut man dem Futsal-Sport zumindest keinen Gefallen. Ganz im Gegenteil. So beraubt man ihm seiner Anziehungskraft, dem Spaß und der Leidenschaft. Krass. Und ziemlich verrückt.

Spannung trotz Dauerbelastung: Danke, Dassendorf!

Wann können wir bloß spielen? Auf Cordis Ligamanager Florian Peters kommt wegen des Pokal-Halbfinales gegen Norderstedt einiges an Arbeit auf ihn zu. Foto: KBS-Picture

Krass ist übrigens auch das Viertelfinal-Aus der TuS Dassendorf im ODDSET-Pokal gegen die SV Halstenbek-Rellingen. Hätte man nicht unbedingt mit gerechnet, war am Ende aber nicht unverdient. Und es scheint auch gar nicht so schlimm zu sein, wenn TuS-Mäzen „Kobra“ Funk schon sagt: „Pokal ist mir egal. Die Meisterschaft ist mir wichtiger.“ Ziemlich verrückt, um auch dieses Wort-Paar nochmal aufzugreifen, war oder ist auch die „Wahnsinns-Woche“, die die TuS auf sich nehmen muss(te): am vergangenen Dienstag in der Liga daheim gegen Rugenbergen, am Freitag im Pokal beim FC Neuenfelde, gestern Pokal in Halstenbek, morgen das Liga-Nachholspiel gegen Buchholz – klingt wie die „englischen Wochen“ bei den Profis. Und das alles ohne „Leihgaben“ aus der Ukraine oder Brasilien. Immerhin: Wo inzwischen mehr und mehr klar wird, dass bei Cordi die Luft für ganz oben (noch) nicht reicht, macht die TuS den Titelkampf nochmal spannend – auch, wenn man nicht für die Regionalliga meldete. Danke dafür!

Cordi übrigens hat derweil im Moment ein ganz anderes Problem: Das für Mittwoch, 3. Mai, angesetzte ODDSET-Pokal-Halbfinalspiel gegen Eintracht Norderstedt. Nicht etwa, weil man Angst vorm Gegner hat. Nein, der vorgesehen Termin ist für Concordia eigentlich nur möglich, wenn das Spiel um 20 Uhr beendet ist. Am Bekkamp darf danach wegen der angrenzenden Wohnhäuser und Anwohnerbeschwerden in der Vergangenheit kein Ball mehr bei einem Spiel rollen. Am 1. Mai, jenem Montag, an dem das andere Pokalhalbfinale angepfiffen wird, können Cordi und „EN“ nicht kicken, weil Norderstedt am 30. April ein Regionalliga-Spiel gegen Havelse hat. Nun bemüht sich Cordi laut Ligamanager Florian Peters um eine Ausnahmegenehmigung für einen Anpfiff am 3. Mai um 18.30 Uhr. Da ist sie also wieder – die Problematik mit Sportplätzen, Lärm und Anwohnern, von denen man auch in Sasel und bei Teutonia 05 ein Lied singen kann. Nervig. Aber wenn man sich in die Sicht fußballuninteressierter Anwohner versetzt, vielleicht nachvollziehbar. Würde übrigens – Achtung, Ironie – beim Futsal in einer Halle nie vorkommen und zur Not trägt man die Veranstaltung einfach in der Ukraine, Brasilien, Regensburg oder Hohenstein-Ernstthal aus...

Jan Knötzsch

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