22.02.2017

Fall Kucukovic: „Halbe Entwarnung“ für Hamm United

Stürmer wird wegen Verträgen nicht belangt – Spielberechtigung für Tests und Pokal könnte folgen

Mustafa Kucukovic, den Hamm United am 31. Januar als Neuzugang vom Lüneburger SK vermeldete, kann zumindest in einer Angelegenheit aufatmen: Das Verbandsgericht des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) fasste in seiner Sitzung am heutigen Mittwoch den Beschluss, das Verfahren gegen den den Ex-Profi wegen zweier vermeintlich zeitgleicher Verträge einzustellen. Darüber hinaus könnte es sein, dass Kucukovic im Pokal- sowie in Freundschaftsspielen schon bald eingesetzt werden kann. HUFC-Ligamanager Jassi Huremovic muss derweil vors Sportgericht.

Der, um den es ging, fehlte. „Ich habe von Mucki gar keine Nummer. Und Jassi Huremovic erreiche ich telefonisch nicht“, erklärte Jörn Heinemann zu Beginn der Verhandlung vor dem HFV-Verbandsgericht in Abwesenheit von Stürmer Mustafa Kucukovic und Hamm Uniteds Ligamanager. So also war der Präsident der „Geächteten“ am heutigen Abend in Jenfeld quasi Einzelkämpfer. Aber immerhin kehrt der HUFC-Chef mit zum Teil guten Nachrichten für den Hansa-Landesligisten zurück. Er konnte quasi eine „halbe Entwarnung“ geben.

Zeißing: „Wir gehen davon aus, dass das keine Mauschelei war, sondern ein Fehler“

Mustafa Kucukovic könnte schon bald das HUFC-Trikot tragen – zumindest in Freundschafts- und Pokalspielen. Foto: KBS-Picture

Denn: Nachdem sich die HFV-Richter im Anschluss an die Verhandlung zur Beratung über ein Urteil kurz zurückzogen, teilte der Vorsitzende Thomas Zeißing schließlich Folgendes mit: „Wir fassen einen Beschluss, kein Urteil. Und dieser Beschluss lautet: Das Verfahren wird eingestellt, es entstehen keine Verfahrenskosten und es kann kein Rechtsmittel gegen diesen Beschluss eingelegt werden.“ Soll heißen: Das Szenario, dass Mustafa Kucukovic dafür bestraft wird, dass er am 31. Januar zwei gleichzeitig gültige Verträge besaß, ist aus der Welt geschafft. Zur Erklärung: Der Ex-HSV-Profi war am letzten Tag der Wechselfrist – dem 31. Januar – vom Lüneburger SK zu Hamm United gewechselt. Nach Darstellung von Hamm United hatte er zunächst an diesem Tag einen Auflösungsvertrag beim LSK und dann danach einen neuen Vertrag bei United unterzeichnet. Der Haken: Laut HFV-Darstellung endete der Vertrag von Kucukovic jedoch nicht direkt mit der Unterschrift unter dem Aufhebungsvertrag, sondern „mit Wirkung vom 31. Januar“ – und das hieße eben: Am 31. Januar nachts um 0 Uhr. Ergo bestand mit dem beim HUFC unterzeichneten Kontrakt ein zeitgleicher zweiter Vertrag. „Kucukovic hätte theoretisch morgens für den LSK und nachmittags für Hamm spielen können“, so Richter Zeißing. Hieße: Der Passus „Bei Abschluss von mehreren Verträgen für die gleiche Spielzeit ist der Spieler wegen unsportlichen Verhaltens zu bestrafen“ aus der HFV-Spielordung war gegeben.

In einem langen Plädoyer jedoch erklärte Jörn Heinemann für den HUFC, dass keine der beteiligten Parteien – weder Hamm, noch Kucukovic oder der LSK – dies gewollt hätten, sondern vielmehr Einigkeit darüber bestand, „dass der Spieler vorm Ende der Wechselfrist von Lüneburg zu uns transferiert werden sollte.“ Dies habe sich in den vorherigen Gesprächen der Beteiligten klar ergeben. „Wir haben es einfach nicht besser gewusst, dass man bei der Betrachtung der Abläufe zu der Ansicht gelangen kann, dass es damit am 31. Januar zwei zeitgleiche Verträge gab“, so Heinemann. Nach Auffassung des HUFC habe der Vertrag von Kucukovic mit dem Unterzeichnen zur Auflösung des Kontrakts geendet, also habe er, weil eben die Unterschrift in Hamm zeitlich danach erfolgte, wechseln können und nur einen Vertrag gehab – den in Hamm eben. Zeißing verneinte dies mehrfach, letztlich jedoch vertraten die HFV-Richter die Ansicht, „dass wir davon ausgehen, dass das hier keine Mauschelei, sondern ein Fehler war.“

HUFC-Ligamanager Huremovic muss nach verbalem Rundumschlag vors Sportgericht

Für Hamms Ligamanager Jassi Hurrmovic werden seine Aussagen in Richtung des Verbandes Folgen haben. Foto: noveski.com

Entsprechend erfolgte also die Einstellung des Verfahrens. Das aber heißt noch nicht, dass Kucukovic damit gleichzeitig auch in vollem Umfang für den HUFC spielberechtigt ist. „Darüber muss der Spielausschuss befinden, dafür sind wir nicht zuständig“, erläuterte Zeißing. Dieses Prozedere könnte sich wie folgt gestalten: Hamm müsse, so Zeising, dem Verband Unterlagen zukommen lassen, aus denen ersichtlich wird, dass dem LSK und dem HUFC jener Fehler mit der Auflösung am 31. Januar unterlaufen sei, der Kontrakt aber auch schon am 30. Januar hätte aufgelöst werden können.

„Sobald die Unterlagen da sind, befasst sich der Spielausschuss damit. Es kann möglicherweise also sein, dass der Spieler ab dem 23. Februar bereits für Freundschafts- und Pokalspiele spielberechtigt ist“, sagte Zeißing. In der Meisterschaft aber dürfe er wohl eher nicht spielen, weil die Unterlagen eben erst nach dem Ende der Wechselfrist vorliegen werden. „Auch das entscheidet letztlich der Spielausschuss. Es kann sein, dass es dort eine Wartefrist gibt und der Spieler erst ab dem 1. Juli, dem Beginn des neuen Transferzeitraums, spielen darf“, so Zeißing, der zudem erklärte, dass auf Hamms Ligamanager Jassi Huremovic wegen seinem verbalen „Rundumschlag gegen alle im Verband“ in einem Gespräch mit den FussiFreunden „ein vom Präsidium ausgehendes Verfahren wartet. Mit ihm und seinen Äußerungen wird sich das Sportgericht befassen.“

Jan Knötzsch 

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